Kalte Progression
Auch gesucht als: Teuerungsausgleich Steuern, schleichende Steuererhöhung, Bracket Creep, Progressionsausgleich, Steuerprogression
- 🇬🇧 Englisch
- bracket creep (cold progression)
- 🇫🇷 Französisch
- progression à froid
- 🇮🇹 Italienisch
- progressione a freddo
Kalte Progression bezeichnet eine versteckte Steuererhöhung: Steigen die Löhne nur im Ausmass der Teuerung, rutschen Steuerpflichtige trotzdem in höhere Progressionsstufen und zahlen real mehr Steuern, obwohl ihre Kaufkraft gleich bleibt.
Ursache ist der progressive Steuertarif, bei dem der Steuersatz mit dem Einkommen steigt. Werden die Tarifstufen und Abzüge nicht an die Teuerung angepasst, wird ein nur nominal höheres Einkommen stärker belastet. Der Staat nimmt so mehr ein, ohne dass das Parlament die Steuern erhöht hat. Besonders spürbar wird der Effekt in Phasen hoher Inflation, wie sie viele Länder ab 2021 erlebten.
In der Schweiz verlangt die Bundesverfassung, dass die Folgen der kalten Progression bei der direkten Bundessteuer periodisch ausgeglichen werden; seit 2011 geschieht dies jährlich anhand des Landesindexes der Konsumentenpreise. Auch die Kantone kennen Ausgleichsregeln, diese sind jedoch unterschiedlich ausgestaltet. Für Haushalte bedeutet ein fehlender Ausgleich weniger verfügbares Einkommen. Ökonomen sehen darin zudem eine Einschränkung der Transparenz in der Steuerpolitik.
Allgemeine Erklärung, keine Anlageberatung.