Brasilien nach dem Lula-Schock: Ibovespa mit schlechtester Woche seit 2020, Zinsentscheid am 4. November
Eine Woche nach der Wiederwahl von Präsident Lula hat Brasiliens Leitindex Ibovespa rund 18 % verloren, der Real gab deutlich nach. Der Fall gilt als Warnung für überfüllte Wetten in Schwellenländern. Nun richtet sich der Blick auf die Notenbank.
Brasiliens Börse hat ihre schwächste Woche seit März 2020 hinter sich. Der Leitindex Ibovespa schloss am Freitag, 30. Oktober, bei rund 167 500 Punkten. Das sind gut 18 % weniger als am 23. Oktober, dem letzten Handelstag vor der Stichwahl. Laut The Rio Times war es nach Oktober 2008 und März 2020 die drittschlechteste Woche seit dem Jahr 2000. Der Real verlor in den fünf Handelstagen rund 9 % zum Dollar, ein Dollar kostete am Freitag etwa 5,46 Real.
Den grössten Teil des Schadens richtete der Montag an. Am 26. Oktober brach der Index um 13,9 % ein, die Börse in São Paulo stoppte den Handel wegen eines automatischen Notfallmechanismus (Circuit Breaker) für 30 Minuten. Auch an den folgenden Tagen schloss der Index jeweils tiefer. Der in New York gehandelte Brasilien-ETF EWZ büsste in der Woche fast 24 % ein, weil sich Kursverluste und Währungsverlust addierten.
Eine überfüllte Wette löst sich auf
Auslöser war das Ergebnis der Stichwahl vom 25. Oktober. Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva gewann mit 51,8 % der gültigen Stimmen gegen Flávio Bolsonaro, der nach der ersten Runde am 4. Oktober noch vorne gelegen hatte. Viele Anleger hatten auf einen Sieg Bolsonaros und eine strengere Haushaltspolitik gesetzt. Rachel Ziemba vom Center for a New American Security sagte gegenüber Al Jazeera sinngemäss, Händler hätten ihre Wetten auf einen Bolsonaro-Sieg eindecken müssen. Finanzminister Dario Durigan erklärte laut Reuters, der Absturz spiegle die Positionierung der Märkte und nicht die Fundamentaldaten.
Die Finanzagentur Bloomberg sieht darin am Sonntag eine Warnung für Schwellenländer-Anleger insgesamt: Beliebte, stark besetzte Positionen könnten sich in kurzer Zeit auflösen. Brasilien galt mit hohen Zinsen und starken Rohstofferlösen lange als Favorit unter den Schwellenländern.
Haushalt und Notenbank im Fokus
Die Sorge der Anleger gilt den Staatsfinanzen. Die öffentliche Verschuldung liegt je nach Abgrenzung zwischen 82 % und 93 % des Bruttoinlandprodukts. Lulas Team strebt bis 2030 einen Primärüberschuss, also einen Haushaltsüberschuss vor Zinszahlungen, von rund 1,3 % der Wirtschaftsleistung an. Wer Finanzminister wird, ist offen. Laut der Arbeiterpartei soll die Wahl bis Ende 2026 fallen, Notenbankchef Gabriel Galípolo hat abgewunken. Die neue Amtszeit beginnt am 5. Januar 2027.
Am 3. und 4. November tagt der geldpolitische Ausschuss Copom der brasilianischen Notenbank. Der Leitzins Selic liegt bei 13,75 %. Auf der Prognoseplattform Polymarket rechneten die Wettenden am Freitag zu rund drei Vierteln mit unveränderten Zinsen. Die Bank Itaú hat ihre Wachstumsprognose für Brasilien im kommenden Jahr laut The Rio Times auf 0,5 % gesenkt.
Quellen
- Brazil Stocks Suffer Worst Week Since 2020 (30.10.2026) – The Rio Times
- Brazil's real sinks after Lula's re-election victory (26.10.2026) – Al Jazeera / Reuters
- Brazil's markets recover some ground after selloff; minister vows fiscal discipline (27.10.2026) – Reuters via Investing.com
- Lula Starts Building His Next Cabinet After Runoff (30.10.2026) – The Rio Times
- Brazil Stocks Fall a Fourth Straight Day (29.10.2026) – The Rio Times
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.