Deutschland: Gut jedes dritte Stadtwerk will sein Gasnetz ganz oder teilweise stilllegen
Eine Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen zeigt: 38 % der deutschen Stadtwerke planen den teilweisen oder vollständigen Rückbau ihrer Gasnetze. Ebenso viele sind noch unentschlossen. Der Verband verlangt von Berlin rasch verbindliche Regeln.
Der Ausstieg aus dem Erdgas wird für Deutschlands Stadtwerke konkret. Laut einer Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), über die die «Bild» am 7. November vorab berichtete, wollen 13 % der Stadtwerke ihr Gasnetz in den nächsten Jahren ganz abschalten. Weitere 25 % planen eine Mischung aus Stilllegung und Weiterbetrieb. Zusammen ist das gut jedes dritte Unternehmen.
Weniger Unentschlossene als vor einem Jahr
38 % der befragten Stadtwerke haben noch nicht entschieden, was mit ihrem Netz geschehen soll. Vor einem Jahr waren es laut der damaligen VKU-Umfrage noch 46 %. Der Anteil jener, die ihr Netz vollständig stilllegen wollen, ist hingegen gesunken: Laut der Nachrichtenagentur dpa-AFX liegt er 6 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Damals plante fast jedes fünfte Stadtwerk das komplette Aus.
Rund die Hälfte der Stadtwerke will künftig auf eine Kombination aus Wärmepumpen und Fernwärme setzen. 17 % wollen laut Handelsblatt ganz oder teilweise grüne Gase wie Wasserstoff oder Biomethan anbieten. Hintergrund ist das Ziel der Bundesregierung, Deutschland bis 2045 klimaneutral zu machen. Einige Bundesländer wollen das früher erreichen.
Verband fordert Gesetze statt Flickenteppich
VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing sprach von grosser Unsicherheit in der Branche. Ohne gesetzliche Vorgaben könnten die Stadtwerke den Aus- und Umbau ihrer Netze nicht rechtssicher planen, sagte er. Der Verband verlangt unter anderem eine Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes, eine Biomethanstrategie, ein Wärmenetzgesetz und eine Überarbeitung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes.
Der VKU fordert seit Längerem auch staatliche Hilfe für den Ausstieg. Im Herbst 2025 schlug er einen Bonus für Hausbesitzer vor, deren Gebäude vom Gasnetz getrennt werden. Zudem soll der Staat einen Teil der Kosten übernehmen, die Netzbetreibern durch Stilllegungen und verkürzte Abschreibungen entstehen. Sonst würden diese Kosten über die Netzentgelte an die verbleibenden Kunden weitergegeben.
Wer zuletzt bleibt, zahlt mehr
Das Problem für die Branche: Je weniger Haushalte mit Gas heizen, desto weniger rentabel wird ein Netz. Die festen Kosten verteilen sich auf immer weniger Kunden. Die EU hatte 2024 ein Gas- und Wasserstoffpaket beschlossen, das auch die Stilllegung und Umnutzung von Gasnetzen regelt und bis Mitte 2026 in deutsches Recht umzusetzen war. Einzelne Versorger haben bereits Pläne vorgelegt, so will etwa der Mannheimer Versorger MVV sein Gasnetz bis 2035 stilllegen.
Quellen
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.