Frankreichs Schuldenproblem: Was die Unruhe an den Anleihemärkten für den Franken bedeutet
Frankreich zahlt für seine Schulden so hohe Zinsen wie seit über 20 Jahren nicht mehr, und Ökonomen spielen bereits Krisenszenarien durch. Für Anleger in der Schweiz zählt vor allem, was mit dem Franken passiert.
Lange galt Frankreich an den Finanzmärkten als solider Kernstaat der Eurozone, nur knapp hinter Deutschland. Dieses Bild hat im Herbst 2026 Risse bekommen. Anfang Oktober stieg die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen zeitweise auf fast 5 %, so hoch wie seit 2002 nicht mehr. Der Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen wuchs innerhalb einer Woche um 32 auf rund 141 Basispunkte. Gemäss Bloomberg-Daten war das der stärkste Wochenanstieg seit Beginn der Aufzeichnungen 1990. Mitte Oktober lag der Abstand noch immer bei rund 145 Basispunkten.
Hohe Schulden, schwache Regierung
Die Ursachen sind seit Jahren bekannt, rücken nun aber ins Zentrum. Frankreichs Staatsschulden belaufen sich auf rund 3600 Milliarden Euro, das sind etwa 119 % der Wirtschaftsleistung. Für 2026 rechnet die Regierung mit einem Defizit von 5,4 % des Bruttoinlandprodukts, einem der höchsten Werte in der Eurozone. Einen ausgeglichenen Staatshaushalt hat das Land seit 1973 nicht mehr verabschiedet.
Hinzu kommt die Politik. Die Minderheitsregierung unter Premierminister Sébastien Lecornu muss das Budget 2027 durch eine zersplitterte Nationalversammlung bringen. Geplant sind Einsparungen von 54 Milliarden Euro. Im Frühling 2027 wählt Frankreich zudem einen neuen Präsidenten. Viele Investoren zweifeln, ob vor der Wahl noch tragfähige Sparbeschlüsse möglich sind.
Teurer wird es für den Staat ohnehin. Günstige Anleihen aus der Tiefzinsphase laufen aus und müssen durch neue, höher verzinste ersetzt werden. Je nach Berechnung dürften die Zinskosten im Jahr 2027 auf 81 bis 91 Milliarden Euro steigen.
Droht eine neue Eurokrise?
Fachleute ziehen Vergleiche mit der Euro-Schuldenkrise von 2011/2012, sehen aber auch Unterschiede. Andrew Kenningham, Chefökonom Europa bei Capital Economics, hält einen Anstieg des Renditeabstands auf 400 Basispunkte für ein plausibles Negativszenario, ähnlich wie bei Italien im Jahr 2012. Zugleich betont er, dass die Europäische Zentralbank heute besser gerüstet sei. Mit dem 2022 geschaffenen Transmission Protection Instrument (TPI) kann sie Anleihen von Ländern kaufen, deren Zinsen ohne wirtschaftliche Begründung davonlaufen. Auch die Risiken im Bankensystem seien kleiner als damals.
Das Analysehaus Oxford Economics erwartet im Basisszenario, dass der Abstand bis zur Präsidentschaftswahl unter 200 Basispunkten bleibt. Steigt er dagegen auf 400 Basispunkte, würden Frankreich und Italien 2027 in eine Rezession rutschen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellte klar, dass die Lösung in erster Linie in Paris liege. Frankreich müsse mit seiner Finanzpolitik das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen.
Was das für die Schweiz bedeutet
In der Schweiz ist die Entwicklung vor allem über den Franken spürbar. In unsicheren Phasen in der Eurozone fliesst traditionell Geld in den Franken als sicheren Hafen. Der Euro fiel Anfang Oktober zum Dollar auf den tiefsten Stand seit 17 Monaten. Gegenüber dem Franken notierte er zuletzt bei rund 0,92 Franken. Ein noch stärkerer Franken würde Schweizer Exportfirmen belasten und die Nationalbank unter Druck setzen, die ihren Leitzins derzeit bei 0 % belässt.
Quellen
- Von der Frankreich- zur Eurokrise? (5.10.2026) – finews.ch
- Frankreichs Schuldenkrise: Stürzt sie Italien in die Rezession? (19.10.2026) – Euronews
- Frankreichs Anleihemarkt sendet ein Warnsignal (29.9.2026) – cash-online.de
- Deutsche Anleihen: Kursverluste – Leichte Entspannung in Frankreich (5.10.2026) – Der Aktionär / dpa-AFX
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.