Gasspeicher verfehlen Ziel: Deutschland geht mit gut 61 % statt 70 % in den Winter
Am 1. November hätten die deutschen Gasspeicher im Schnitt rund 70 % gefüllt sein sollen. Erreicht wurden zuletzt nur etwa 61,4 %. Berlin sieht die Versorgung gesichert, Fachleute warnen vor Preisspitzen bei Kälte. Für die Schweiz ist das besonders relevant.
Die gesetzlichen Vorgaben für die deutschen Gasspeicher sind verfehlt. Laut den europäischen AGSI-Daten vom Freitag lag der Füllstand bei etwa 61,4 %, wie die Nachrichtenagentur dpa im Handelsblatt berichtet. Grundsätzlich verlangt die Verordnung zum 1. November mindestens 80 %. Für sechs Speicher gilt ein reduziertes Ziel von 45 %, daraus ergibt sich der Durchschnittswert von rund 70 %. In den Speichern lagern derzeit rund 150 Terawattstunden.
Sanktionen drohen nicht. Das Gesetz sehe keine vor, sagte Timm Kehler, Vorstand des Verbands Gas- und Wasserwirtschaft. Die Vorgaben seien ein Sicherheitsnetz. Die Bundesnetzagentur stuft die Gefahr einer angespannten Lage als gering ein, erwartet aber einen vergleichsweise niedrigen Füllstand am Ende des Winters. Die Füllstandsregeln laufen am 31. März 2027 aus und werden nicht verlängert.
Warum die Händler wenig einspeicherten
Normalerweise kaufen Händler im Sommer günstig Gas ein und verkaufen es im Winter mit Gewinn. Wegen des Iran-Kriegs waren die Grosshandelspreise aber so hoch, dass sich das Einspeichern nur begrenzt lohnte. Der europäische Referenzpreis TTF stieg am 26. Oktober kurzzeitig auf 97,64 Euro (CHF 89,93) je Megawattstunde, den höchsten Stand seit Dezember 2022, wie Euronews berichtet. Anfang Jahr lag er bei rund 28 Euro (CHF 26). Seit Mai ist laut Euronews kein Flüssigerdgas aus dem Nahen Osten mehr in der EU angekommen, weil die Strasse von Hormus gesperrt ist.
Auch europaweit ist die Lage dünn. Die EU-Speicher waren am 24. Oktober zu 74,6 % gefüllt, nach 82,9 % ein Jahr zuvor. Laut dem Institut IEEFA ist das für diese Jahreszeit der tiefste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen 2011. In Österreich lag der Füllstand bei 67,2 %. Sebastian Heinermann, Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern, spricht von einem ernstzunehmenden Warnsignal. Mit sinkendem Füllstand nehme auch die Leistung ab, mit der die Speicher Gas abgeben können, was vor allem im Februar und März zum Problem werden könne.
Frankreich erhöht den Referenzpreis
Erste Folgen spüren Haushalte bereits. In Frankreich steigt der Referenzpreis der Energieregulierungsbehörde CRE am 1. November um 6,6 % auf 194,90 Euro (CHF 180) je Megawattstunde. Die Behörde begründet dies mit dem Konflikt im Nahen Osten und den sehr tiefen europäischen Lagerbeständen. Betroffen sind laut Le Tribunal du Net rund 6 Millionen Haushalte mit indexierten Verträgen.
Was das für die Schweiz heisst
Die Schweiz hat keine grossen eigenen Speicher und ist auf Europa angewiesen. Gas deckt übers Jahr rund 12 % des Schweizer Energiebedarfs, im Winter deutlich mehr. Die regionalen Gasversorger müssen Reserven von 15 % des durchschnittlichen Jahresverbrauchs in ausländischen Speichern halten. In einem kalten Winter würden bis zu 80 % des Gases über Deutschland in die Schweiz fliessen, sagte Daniela Decurtins, Direktorin des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie, Anfang Oktober. Zusätzlich kann die Schweiz bei Bedarf bis zu 2 Terawattstunden Gas nutzen, das von Frankreich nach Italien durch die Schweiz fliesst.
Quellen
- Gasversorgung: Vorgaben bei Gasspeichern verfehlt - was bedeutet das? (01.11.2026) – Handelsblatt (dpa)
- Kurz vor dem Winter: Gasspeicher-Füllstände liegen deutlich unter Zielwert (29.10.2026) – Schwarzwälder Bote
- European natural gas prices soar: What it means for your winter bills (27.10.2026) – Euronews
- Gaz, retraites, banque : tout ce qui change pour votre budget à partir du 1er novembre (28.10.2026) – Le Tribunal du Net
- Gaz, retraites, crédit à la conso, impôts : tout ce qui change en novembre 2026 (26.10.2026) – Journal du Geek
- Gasverband sieht derzeit keinen Mangel (09.10.2026) – cash.ch (AWP)
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.