IG Metall startet Warnstreiks: 3,7 Millionen Beschäftigte, Arbeitgeber bieten 1,3 % erst ab Juli 2028
In der deutschen Metall- und Elektroindustrie haben in der Nacht auf Sonntag die ersten Warnstreiks begonnen. Die IG Metall fordert 5 % mehr Lohn, die Arbeitgeber wollen erst 2028 die Tabellen erhöhen. Der Konflikt trifft eine Industrie, die ohnehin unter hohen Kosten leidet.
Kurz nach Mitternacht am 1. November lief die Friedenspflicht in der deutschen Metall- und Elektroindustrie ab. Die IG Metall nutzte die Gelegenheit sofort. Bei Thyssenkrupp Rasselstein in Andernach (Rheinland-Pfalz) legte die Nachtschicht zeitweise die Arbeit nieder, laut Handelsblatt versammelten sich rund 300 Beschäftigte vor dem Werkstor. Auch bei RF 360 Europe, einem Unternehmen von Qualcomm, in München gab es eine nächtliche Aktion. In der kommenden Woche sollen die Proteste auf ganz Deutschland ausgeweitet werden.
Weit auseinanderliegende Positionen
Die Tarifrunde betrifft rund 3,7 Millionen Beschäftigte, vom Autobau über den Maschinenbau bis zur Elektronik und Metallerzeugung. Die Gewerkschaft verlangt 5 % mehr Entgelt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Untere Lohngruppen sollen überproportional profitieren. Dazu kommen Forderungen nach mehr Beschäftigungs- und Standortsicherung sowie nach einer tariflichen Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich starken Betrieben.
Die Arbeitgeber haben in der zweiten Verhandlungsrunde ein Paket mit 26 Monaten Laufzeit bis Ende Dezember 2028 vorgelegt. Es sieht im Juli 2027 eine Einmalzahlung von 1 % des durchschnittlichen Jahresbruttos vor, nach Arbeitgeberangaben etwa 660 Euro (CHF 610). Die Tabellenlöhne sollen erst am 1. Juli 2028 um 1,3 % steigen. Betriebe in Schwierigkeiten sollen über eine sogenannte automatische Differenzierung von der Einmalzahlung abweichen dürfen. Die Arbeitgeber begründen das knappe Angebot mit der schwierigen Wirtschaftslage und den hohen Kosten am Industriestandort Deutschland.
Gewerkschaft spricht von «Minusrunde»
IG-Metall-Chefin Christiane Benner kündigte «starke Warnstreiks» an. Das Angebot löse in den Betrieben Unverständnis und Wut aus. Tarifvorständin Nadine Boguslawski bezeichnete es angesichts der steigenden Teuerung als «Minusrunde», also als realen Lohnverlust. Thorsten Gröger, Bezirksleiter in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, kritisierte, das Angebot sei viel zu niedrig und laufe zu lang. Die Arbeitgeber wollen ihrerseits die Ausnahmeklauseln dauerhaft ausweiten und in den Tarifvertrag schreiben, dass über Krankenstände und den Einsatz von künstlicher Intelligenz gesprochen wird.
Warnstreiks sind kurze, befristete Arbeitsniederlegungen, die den Druck in laufenden Verhandlungen erhöhen sollen. Sie dauern meist Stunden, nicht Tage. Ein unbefristeter Streik wäre erst nach einer Urabstimmung möglich.
Quellen
- Metall- und Elektroindustrie: Warnstreiks der IG Metall kurz nach Mitternacht angelaufen (01.11.2026) – Handelsblatt
- IG Metall startet Warnstreiks für 3,7 Millionen Beschäftigte (30.10.2026) – AD HOC NEWS / dpa
- Metallarbeitgeber provozieren Warnstreiks ab 1. November (28.10.2026) – IG Metall Salzgitter-Peine
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.