Schweiz

Kaffee via Kap der Guten Hoffnung: Schweizer Händler ringen mit längeren Wegen und teuren Lagern

2. November 2026, 12:29 Uhr · 2 Min. Lesezeit · Redaktion TVinvestment

Die Schweiz ist eine Drehscheibe des Welthandels mit Kaffee, doch Hormus-Sperre und Umwege belasten die Branche. Händler und Röster halten mehr Vorräte, das bindet Kapital. Für Konsumenten und Nestlé bleibt der erhoffte Preisrückgang vorerst aus.

Die Mitglieder der Swiss Coffee Traders Association, zu denen Nestlé und Starbucks gehören, wickeln mehr als die Hälfte der weltweiten Kaffeemenge ab. Am Jahresforum des Verbands Anfang Oktober nannten die Delegierten laut SRF den Krieg als grösste Sorge. Oberste Priorität haben Ausweichrouten und Flexibilität.

Der Hintergrund: Die Strasse von Hormus ist laut SRF seit Februar gesperrt, Reedereien haben Schiffe umgeleitet und Treibstoffzuschläge eingeführt. Die kürzeste Route von Asien nach Europa ist faktisch blockiert. Kaffee aus Vietnam fährt um das Kap der Guten Hoffnung, was laut SRF 20 Tage länger dauert. Die Marktspezialisten von StoneX nannten im April für Asien-Europa-Fahrten 10 bis 14 Zusatztage.

Puffer statt Just-in-time

Beim Genfer Händler Sucafina entschied man sich, längere Wege zu akzeptieren, statt auf eine Beruhigung zu warten. Logistikchef Dany Barkha sagte gegenüber SRF sinngemäss, auch nach Monaten des Konflikts gebe es keine Gewissheit. José Luis Pérez, Bereichsleiter bei Commodity Supplies im Kanton Schwyz, beschreibt einen Wandel: Die Kaffeekette lief traditionell just in time, also mit minimalen Beständen. Nun legen Röster grössere Vorräte an. Das bindet Kapital und verteuert Finanzierung und Versicherung.

Laut Pérez haben sich die Lieferketten damit von Effizienz, dem Leitmotiv der letzten 5 bis 10 Jahre, hin zu Widerstandsfähigkeit verschoben. Wie teuer das werden kann, zeigte StoneX im April am Beispiel der Kriegsrisikoprämien: Sie lagen pro Fahrt bei 0,2 bis 1,0 % des versicherten Schiffswerts.

Überschuss kommt beim Kunden nicht an

An der Rohstoffseite sieht es besser aus als noch vor Kurzem. Rohkaffee erreichte in den letzten zwei Jahren Rekordpreise, Arabica kostete Anfang 2025 über 4,40 Dollar (CHF 3,60) je Pfund. Aktuell liegt der US-Terminkontrakt bei rund 2,96 Dollar (CHF 2,40). Für 2025/26 meldet die Internationale Kaffeeorganisation laut SRF den ersten Marktüberschuss seit fünf Jahren.

Konsumenten spüren davon wenig, weil noch teure Bohnen in der Lieferkette stecken. Nestlé zeigt die Rechnung im eigenen Abschluss: Preiserhöhungen trugen laut SRF im ersten Halbjahr 4,7 % zum Wachstum im Kaffeegeschäft bei. Der Konzern erwartet im zweiten Halbjahr tiefere Rohkaffeepreise, rechnet aber damit, dass höhere Transport- und Energiekosten wegen des Nahost-Konflikts die Einsparungen aufzehren.

Quellen

  1. Längere Lieferwege für Kaffee: Geopolitik macht Schweizer Kaffeebranche zu schaffen (02.11.2026) – SRF
  2. Logistics costs are rewriting the coffee price story in 2026 (17.04.2026) – StoneX
  3. Coffee prices caught between record harvests and Hormuz disruption (10.03.2026) – Food Ingredients First
  4. Arabica Coffee Futures KC=F (02.11.2026) – Yahoo Finance

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.