Kleinanleger kaufen den Einbruch nicht: Vanda misst den heftigsten Verkaufsdruck seit 2020
Beim Kurssturz vom 5. November haben private Anleger in den USA Einzelaktien in grossem Stil verkauft. Laut Vanda Research fehlte erstmals seit Langem der typische Kauf im Rückschlag. Gekauft wurden vor allem gehebelte ETF.
Der Donnerstag war für die Wall Street einer der schwächsten Tage seit April 2025. Der S&P 500 verlor rund 4,4 %, der Nasdaq Composite über 5 %, der Dow Jones gab rund 1800 Punkte ab. Besonders hart traf es Chipwerte: Nvidia fiel um 9,3 %, Micron um rund 17,5 % und Sandisk um über 22 %. Auslöser waren Zweifel an den hohen Investitionen in KI-Rechenzentren nach den US-Zwischenwahlen.
Verkaufsdruck bis kurz vor Schluss
Das Analysehaus Vanda Research verfolgt die Aufträge von Privatanlegern. Rund eine Stunde vor Handelsschluss hatten sie laut diesen Daten netto Einzelaktien für 338 Mio. Dollar (CHF 277 Mio.) verkauft. Damit steuerte der Tag auf den grössten Verkaufsüberhang seit dem Pandemie-Schock zu. Der Rekord stammt vom 17. März 2020, als Kleinanleger netto 502 Mio. Dollar (CHF 412 Mio.) abstiessen.
In den letzten zehn Minuten vor dem Schluss, also kurz vor 22 Uhr Schweizer Zeit, kauften Privatanleger dann für über 100 Mio. Dollar (CHF 82 Mio.) zurück. Je nach Datenstand blieb über den ganzen Tag ein Nettoverkauf zwischen 151 Mio. Dollar (CHF 124 Mio.) und 257 Mio. Dollar (CHF 211 Mio.). Den tieferen Wert meldete laut Medienberichten das Wall Street Journal mit revidierten Vanda-Zahlen, den höheren Yahoo Finance.
«Totale Kapitulation» und gehebelte Wetten
Viraj Patel, globaler Makrostratege bei Vanda Research, sprach gegenüber Yahoo Finance von einer «totalen Kapitulation» der Kleinanleger. Normalerweise kauften Private bei einem Ausverkauf nach, schrieb Vanda in einer Notiz. Dieses Nachfragepolster sei bei Einzeltiteln diesmal praktisch verschwunden. Patel sieht den Rückzug als Teil eines breiteren Käuferstreiks, auch institutionelle Anleger hielten sich zurück. Zugleich mussten systematische und gehebelte Strategien Positionen abbauen.
Ganz verschwunden war die Kauflust nicht. Laut Vanda flossen Gelder in die gehebelten ETF ProShares UltraPro QQQ und Direxion Daily Semiconductor Bull 3X. Sie bilden die tägliche Bewegung des Nasdaq-100 bzw. eines Chipindex dreifach ab. Weil sich der Hebel täglich neu einstellt, verstärken weitere Verlusttage die Einbussen solcher Produkte deutlich.
Was die Zahlen nicht zeigen
Die Vanda-Daten erfassen nur Käufe und Verkäufe von Einzelaktien. ETF-Käufe, bei denen Privatanleger in der Vergangenheit oft stärker zugriffen, sind in den Nettozahlen nicht enthalten. Zudem zeigt der starke Unterschied zwischen dem Stand vor Börsenschluss und der Schlussbilanz, wie schnell sich solche Momentaufnahmen drehen können.
Quellen
- Retail traders dump $338 million in stocks in biggest selling day since 2020 (05.11.2026) – Yahoo Finance
- Retail Investors Dumped Stocks As Wall Street Crashed. Then Buyers Made A Last-Minute Comeback. (06.11.2026) – International Business Times
- Retail Traders Skip the Dip as Nasdaq Rout Triggers Their Heaviest Single-Stock Selling Since March 2020 (06.11.2026) – The Private Banker
- U.S. retail investors net bought $100 million near the close (06.11.2026) – KuCoin News / MarsBit
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.