Unternehmen

Käufer aus dem Ausland: Übernahmen in Deutschland steigen um 134 % auf 129 Mrd. Dollar (CHF 105 Mrd.)

5. November 2026, 05:27 Uhr · 2 Min. Lesezeit · Redaktion TVinvestment

Ausländische Investoren haben innert eines Jahres mehr als doppelt so viel Geld für deutsche Firmen ausgegeben wie zuvor. Das zeigt eine Auswertung von KPMG. Die Beratungsfirma sieht keinen Ausverkauf, doch die Zahl der Milliardendeals wirft Fragen auf.

Grenzüberschreitende Übernahmen deutscher Unternehmen erreichten zwischen dem dritten Quartal 2025 und dem zweiten Quartal 2026 ein Volumen von fast 129 Mrd. Dollar (CHF 105 Mrd.). Das sind 134 % mehr als in den zwölf Monaten davor, wie die Nachrichtenagentur dpa am 5. November aus einer KPMG-Analyse auf Basis von Daten des Finanzdatenkonzerns LSEG berichtete.

Die Zahl der Transaktionen stieg dagegen nur von 897 auf 926. Rein rechnerisch hat sich der Durchschnittswert je Deal damit von rund 61 Mio. Dollar (CHF 50 Mio.) auf rund 139 Mio. Dollar (CHF 113 Mio.) mehr als verdoppelt. Der Schub stammt also aus wenigen sehr grossen Geschäften: 18 Deals lagen über 1 Mrd. Dollar (CHF 814 Mio.), zehn davon mit Käufern aus den USA.

Amerikaner greifen zu

Ein so grosses US-Interesse habe es zuletzt 2007 bei der Privatisierung der Kabelnetze gegeben, heisst es von KPMG. Bekannte Beispiele sind der Lüfterhersteller EBM-Papst, den Madison Air aus Chicago für rund 4,8 Mrd. Euro (CHF 4,4 Mrd.) kauft, und die Mehrheit an BASF Coatings, die an den Finanzinvestor Carlyle geht. Bain Capital übernimmt die Mehrheit am Augsburger Motorenbauer Everllence, Viessmann hat sein Wärmepumpengeschäft an Carrier verkauft. Bei EBM-Papst spielt auch der KI-Boom mit: Die Firma liefert Kühlkomponenten für Rechenzentren, das US-Geschäft wuchs zuletzt um 25 %.

KPMG-Experte Michael Buhl spricht von einem Beschleuniger des Strukturwandels, nicht von einem Ausverkauf. Als Gründe nennt er Technologie, Industriekompetenz, wertvolle Daten, vergleichsweise günstige Bewertungen und die erwarteten Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung. Zudem könnten die Firmen selbst gewinnen, etwa durch neuen Zugang zum US-Markt.

Die andere Seite der Rechnung

Umgekehrt kauften deutsche Firmen im Ausland deutlich weniger zu. Ihre Deals stiegen von 593 auf 622, das Volumen um 15 % auf 42,9 Mrd. Dollar (CHF 34,9 Mrd.). Das ist nur ein Drittel des Betrags, der in die Gegenrichtung floss.

Offen bleibt, wo künftig entschieden wird. Das Portal Ad-hoc-News weist darauf hin, dass ausländisches Kapital zwar Märkte und Finanzierung bringen kann, die Kontrolle über Forschung, Arbeitsplätze und Produktion aber wandern kann. Bei kritischer Technologie und Infrastruktur kommen Fragen der Sicherheit dazu. Bis 2028 erwartet KPMG, dass die Zahl ausländischer Übernahmen um 13 % auf 1039 steigt, jene der innerdeutschen Deals um 22 % auf rund 1300. Haupttreiber sei der Umbruch durch künstliche Intelligenz.

Quellen

  1. Droht ein Ausverkauf?: Ausländische Käufer übernehmen reihenweise deutsche Firmen (05.11.2026) – Handelsblatt/dpa
  2. Droht ein Ausverkauf?: Ausländische Käufer übernehmen reihenweise deutsche Firmen (05.11.2026) – Tagesspiegel/dpa
  3. Deutsche Firmen: Ausländische Käufer verdoppeln Deal-Volumen (05.11.2026) – Ad-hoc-news
  4. Deutsche EBM-Papst wird in Milliardendeal an US-Konzern verkauft (17.08.2026) – Börsen-Zeitung
  5. Cooling technology expert EBM-Papst sold to US group Madison Air (19.08.2026) – electrive

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.