Schweiz

Lindt: Aktionäre wollen den Verwaltungsrat umbauen und Präsident Tanner entmachten

4. November 2026, 07:25 Uhr · 2 Min. Lesezeit · Redaktion TVinvestment

Nach dem Abgang von Konzernchef Lechner wächst bei Lindt & Sprüngli der Druck auf die oberste Etage. Laut Reuters fordern Grossaktionäre einen jüngeren Verwaltungsrat und weniger Macht für den 80-jährigen Präsidenten Ernst Tanner. Er will bleiben.

Der Wechsel an der operativen Spitze reicht wichtigen Investoren von Lindt & Sprüngli nicht. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters am 4. November. Ingo Speich von Deka Investment verlangt eine Neubesetzung des Verwaltungsrats und eine breitere Verteilung der Verantwortung. Vincent Kaufmann, Chef der Stimmrechtsberaterin Ethos, bemängelt die fehlende Unabhängigkeit des Gremiums. Ein weiterer Investor aus dem Kreis der 20 grössten Aktionäre sieht den Verwaltungsrat bei der Preispolitik in der Mitverantwortung.

Ein Präsident mit ungewöhnlich viel Einfluss

Im Zentrum steht Ernst Tanner, der den Verwaltungsrat seit 1994 präsidiert. Er ist exekutiver Präsident, also auch ins Tagesgeschäft eingebunden, was in der Schweiz unüblich ist. Von den acht Mitgliedern des Gremiums sind sechs mindestens 70 Jahre alt, nur drei gelten laut Reuters als wirklich unabhängig. Tanner hält laut dem Datenanbieter LSEG rund 2,3 % der Aktien. Zudem präsidiert er die beiden Versorgungswerke des Konzerns. Sie sind die grössten Aktionäre und vereinen zusammen über 15 % der Stimmrechte. Die Partizipationsscheine haben kein Stimmrecht.

Damit ist ein Umbau gegen Tanners Willen schwierig. An der Generalversammlung 2026 erhielt er zwar nur 83,6 % Zustimmung, den schlechtesten Wert im Gremium, eine klare Mehrheit blieb ihm aber. Tanner will laut Reuters nicht zurücktreten und traut sich zu, zur Wende beizutragen. Ein Firmensprecher sagte, der Verwaltungsrat überprüfe seine Zusammensetzung regelmässig, die Nachfolgeplanung gehöre fest zu seiner Arbeit. Ein Investor rechnet mit einer Verjüngung 2027 und einem Nachfolger für Tanner ein Jahr später. Sechs weitere angefragte Grossaktionäre wollten sich nicht äussern.

Das Wachstum ist eingebrochen

Auslöser ist der Einbruch beim Wachstum. Über fünf Jahre legte Lindt organisch im Schnitt um 10,9 % pro Jahr zu. Für 2026 erwartet der Konzern nach zwei Senkungen noch 0 bis 2 %, ursprünglich waren es 6 bis 8 %. Die Preise waren wegen des teuren Kakaos im ersten Halbjahr um durchschnittlich 11,8 % gestiegen, nach fast 20 % im Vorjahr. Die verkaufte Menge sank um 7,5 %.

Am 19. Oktober musste Konzernchef Adalbert Lechner gehen. Interimistisch führt Vizepräsident Dieter Weisskopf (71) das Unternehmen, ein definitiver Chef soll spätestens im zweiten Quartal 2027 feststehen. Weisskopf setzt auf gezielte Preissenkungen, mehr Werbung und neue Produkte. Offen ist laut Reuters, ob das die Kundschaft zurückholt und ob Abnehmmittel wie Wegovy den Schokoladenkonsum dämpfen. Die mittelfristige Vorgabe von 6 bis 8 % Wachstum sei vorerst kaum erreichbar. Die Aktie hat seit Jahresbeginn rund ein Viertel verloren, die Namenaktie schloss am 3. November bei 88 000 Franken.

Quellen

  1. Lindt&Sprüngli-Investoren fordern Umbau des Verwaltungsrates (04.11.2026) – cash.ch / Reuters
  2. Lindt & Sprüngli zieht nach Absatzkrise die Reissleine (19.10.2026) – VZ VermögensZentrum

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.