Schweiz

Lindt nach zwei Umsatzwarnungen: Neuer Chef, Rabatte und ein Kursminus von 28 % seit Januar

26. Oktober 2026, 09:28 Uhr · 2 Min. Lesezeit · Redaktion TVinvestment

Lindt & Sprüngli steckt in der schwierigsten Phase seit Jahren. Nach dem Abgang von Konzernchef Adalbert Lechner am 19. Oktober landet die Schokolade nun im Aktionsregal. Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner will trotzdem bleiben.

Lange galt Lindt & Sprüngli als Inbegriff einer krisenfesten Schweizer Qualitätsaktie. Dieses Bild hat 2026 Risse bekommen. Am 19. Oktober gab der Schokoladenkonzern aus Kilchberg vor Börsenbeginn bekannt, dass Konzernchef Adalbert Lechner das Unternehmen per sofort verlässt. Der 65-Jährige hatte die Gruppe seit 2022 geführt und war insgesamt 33 Jahre für Lindt tätig. Interimistisch übernimmt Dieter Weisskopf (71), Vizepräsident des Verwaltungsrats und bereits von 2016 bis 2022 Konzernchef. Ein definitiver Nachfolger soll spätestens im zweiten Quartal 2027 feststehen.

Die Preise waren zu hoch

Hinter dem Wechsel stehen zwei Umsatzwarnungen innerhalb eines Jahres. Ursprünglich hatte Lindt für 2026 ein organisches Wachstum von 6 bis 8 % in Aussicht gestellt. Ende September senkte das Unternehmen die Prognose zum zweiten Mal, nun auf 0 bis 2 %. Grund sind die stark gestiegenen Kakaopreise, die Lindt an die Kundschaft weitergab. Im ersten Halbjahr 2026 erhöhte der Konzern die Preise im Schnitt um 11,8 %, nachdem sie im Vorjahr bereits um fast 20 % gestiegen waren. Die verkauften Mengen gingen im gleichen Zeitraum um 7,5 % zurück.

Besonders in Deutschland, der Schweiz und Grossbritannien reagierten die Konsumentinnen und Konsumenten empfindlicher als erwartet. Nordamerika und Asien entwickelten sich laut Unternehmen deutlich besser. Lindt senkte im Sommer die Preise einzelner Produkte und führte kleinere Packungen ein. In Schweizer Supermärkten sind Lindor-Kugeln und Multipacks inzwischen häufig im Aktionsangebot zu finden. Coop und Migros berichten, dass die Nachfrage nach Schokolade insgesamt stabil sei, viele Kunden aber zu günstigeren Eigenmarken griffen.

Tanner will nicht gehen

Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner (80) schloss in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» vom 25. Oktober einen Rücktritt aus. Er räumte ein, Lindt habe die Reaktion der Kundschaft auf die Preiserhöhungen unterschätzt. Markttests hätten höhere Preise als vertretbar erscheinen lassen. Die Rabattaktionen seien derzeit nötig, um Preissenkungen bekannt zu machen. Normalisiere sich der Kakaopreis, seien auch dauerhaft tiefere Preise möglich. Einen konzernweiten Stellenabbau schliesst Tanner aus.

Kritik kommt von der Bank Vontobel. Sie bemängelt, der Verwaltungsrat hätte früher eingreifen müssen, und hält weitere Veränderungen im Gremium im Frühjahr 2027 für wünschenswert. Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy warnt zudem, häufige Rabatte könnten dem Premium-Image schaden.

Was die Börse sagt

Der Partizipationsschein von Lindt hat seit Jahresbeginn rund 28 % an Wert verloren. Am 23. Oktober schloss er bei rund 8400 Franken. Im Juni 2025 hatte er noch einen Höchststand von 13'650 Franken erreicht. Die Namenaktie, eine der teuersten Aktien der Welt, notierte zuletzt bei rund 86'400 Franken. Den Wechsel an der Spitze nahm die Börse am 19. Oktober gelassen auf, der Partizipationsschein gab um 0,8 % nach.

Quellen

  1. Lindt & Sprüngli zieht nach Absatzkrise die Reissleine (19.10.2026) – cash.ch
  2. Lindt CEO departs as Swiss chocolate maker struggles with sales (19.10.2026) – Oman Observer / Reuters
  3. Lindt-Schokolade landet auf Wühltischen (24.10.2026) – cash.ch / Blick
  4. Lindt-Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner schliesst Rücktritt aus (25.10.2026) – cash.ch / AWP

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.