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Genfer Rohstoffhändler Mercuria verklagt Baltic Exchange: Prozess um Tanker-Benchmark TD3C läuft

31. Oktober 2026, 13:27 Uhr · 2 Min. Lesezeit · Redaktion TVinvestment

Vor einem Londoner Gericht streitet Mercuria mit der Baltic Exchange über einen der wichtigsten Frachtindizes der Ölbranche. Der Händler wirft dem Indexanbieter vor, den Index trotz der Blockade der Strasse von Hormus weiter veröffentlicht zu haben.

Seit Montag, dem 26. Oktober, verhandelt das englische High Court in London die Klage des Rohstoffhändlers Mercuria gegen die Baltic Exchange. Mercuria hat seinen Hauptsitz in Genf und zählt zu den grössten Rohstoffhändlern der Welt. Die 1774 gegründete Baltic Exchange gehört der Singapurer Börse SGX und berechnet Frachtindizes, auf die sich weltweit Schiffscharterverträge und Derivate in Milliardenhöhe stützen.

Im Zentrum steht der Index TD3C. Er misst, was die Miete eines Supertankers von Ras Tanura in Saudi-Arabien nach China kostet, und dient als Referenz für viele andere Routen. Nach Beginn des Kriegs zwischen den USA, Israel und dem Iran am 28. Februar war die Strasse von Hormus faktisch geschlossen. Mercuria argumentiert, der Index hätte danach ausgesetzt werden müssen, weil er den zugrunde liegenden Markt nicht mehr zuverlässig abbildete.

Interne Gespräche als Beweismittel

Laut Berichten der Nachrichtenagentur Bloomberg, die von The Star und The Edge Malaysia übernommen wurden, stützt sich Mercuria vor Gericht unter anderem auf ein Gespräch vom 14. April. Darin soll ein leitender Frachtbewerter der Baltic die Angst, durch einen Konkurrenten ersetzt zu werden, sinngemäss als die alles überragende Sorge bezeichnet haben. Ein Makler, der Preisangaben für den Index lieferte, nannte eine TD3C-Bewertung am 2. April angesichts der Störungen sinngemäss «völligen Unsinn». Mercuria wirft der Baltic vor, den Index weiter veröffentlicht zu haben, um bestimmte Frachtmärkte am Leben zu erhalten und kein Geschäft an einen Rivalen zu verlieren.

Der Händler verlangt vom Gericht die Feststellung, dass die Baltic ihre Pflichten verletzt hat. In der ursprünglichen Klage vom 30. April bezifferte Mercuria die Verluste aus Frachtverträgen und Frachtderivaten auf mehrere hundert Millionen Dollar. In der jüngsten Fassung der Klage fehlt laut den Berichten eine konkrete Schadenschätzung.

Baltic spricht von Opportunismus

Die Baltic Exchange weist die Vorwürfe zurück. Chef Mark Jackson erklärte, man habe alle gesetzlichen, vertraglichen und regulatorischen Pflichten erfüllt, die Klage sei unbegründet. Die Anwälte der Börse bezeichnen sie als Ausdruck von Instabilität und Opportunismus. Frachtrisiken hätten weiterhin bewertet werden können, einzelne Schiffe hätten die Meerenge passiert, und man habe den Markt laufend konsultiert. Zudem habe Mercuria grosse indexgebundene Positionen gehalten und deren Risiken nicht ausreichend abgesichert. Die Durchfahrten durch Hormus haben sich nach Angaben der meisten Beobachter inzwischen wieder dem Vorkriegsniveau angenähert.

Quellen

  1. Mercuria says rival fears drove disputed Baltic tanker rate (28.10.2026) – The Star / Bloomberg
  2. Mercuria v Baltic Exchange trial (27.10.2026) – The Edge Malaysia / Bloomberg
  3. Trader Mercuria Sues Baltic Exchange Over Hormuz Freight Losses, Court Filing Shows (01.05.2026) – Insurance Journal / Reuters
  4. Baltic Exchange defends oil tanker benchmark in court after Mercuria claims war losses (24.06.2026) – Baird Maritime / Reuters

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.