Rechenzentren an der Urne: US-Wähler entscheiden am 3. November über 41 Vorlagen, 17 sehen Verbote vor
Parallel zu den Midterms stimmen Gemeinden in zehn US-Bundesstaaten über Rechenzentren ab. Ohio stellt mehr als die Hälfte der Vorlagen. Für den KI-Ausbau ist das bisher kein Stopp, aber ein wachsendes Risiko für Standorte und Zeitpläne.
Am 3. November geht es in den USA nicht nur um den Kongress. In Dutzenden Gemeinden entscheiden die Stimmberechtigten laut der Wahlplattform Ballotpedia über 41 Vorlagen zu Rechenzentren. Sie verteilen sich auf zehn Bundesstaaten. 17 davon würden den Bau verbieten, 8 würden die lokalen Behörden ermächtigen, ihn zu bewilligen. Im laufenden Jahr kommen mindestens 49 solche Vorlagen in 13 Staaten zusammen.
Die bisherige Bilanz ist für die Branche unerfreulich: Alle sechs bereits entschiedenen Abstimmungen fielen zugunsten von Einschränkungen aus. Die Bewegung kommt zudem von unten. Von 38 Vorlagen, die Ballotpedia im September erfasste, kamen 82 % durch Bürgerbegehren zustande.
Ohio als Brennpunkt
Ohio zählt 21 der Vorlagen vom 3. November, davon würden 11 Rechenzentren verbieten. Mindestens 138 Gemeinden und Townships haben dort laut Smart Cities Dive ein Moratorium beschlossen, also einen befristeten Baustopp. 23 Gemeinden haben Rechenzentren faktisch untersagt. Ein Volksbegehren für ein Verbot grosser Anlagen in der Verfassung des Bundesstaats verpasste die Frist für diesen Wahltermin. Die Initianten peilen nun das nächste Jahr an.
Anderswo zielen die Vorlagen auf Schwellenwerte. In den Städten Emporia und El Dorado im Bundesstaat Kansas geht es um Anlagen mit mehr als 10 Megawatt Spitzenlast oder mehr als 100 000 Gallonen (rund 380 000 Liter) Wasser pro Tag. In Edgewater, Florida, soll ein Bauverbot in der Stadtverfassung verankert werden.
Auch im Wahlkampf ist das Thema angekommen. Von Januar bis September flossen laut NPR über 45 Mio. Dollar (CHF 37 Mio.) in Werbung, die Rechenzentren erwähnt. Im September stiegen die entsprechenden Ausgaben gegenüber dem Vormonat um 61 %. Die Politikberatung MultiState verweist allerdings auf Umfragen, wonach das Thema für viele Wähler keine grosse Sorge ist.
Der Blick richtet sich auf 2027
Ishyan Veluppillai vom Beratungsunternehmen Capstone rechnet damit, dass den Resultaten Gesetze auf Ebene der Bundesstaaten folgen, vor allem bei den Vorstössen für 2027. Das wäre für die Betreiber folgenreicher als einzelne lokale Verbote. Mark Muro von der Denkfabrik Brookings sagte gegenüber Smart Cities Dive sinngemäss, der Widerstand richte sich dagegen, wie die Technologie ins Leben der Menschen eingeführt werde.
Schweizer Anleger sind indirekt betroffen. ABB meldete für das dritte Quartal vergleichbar 40 % mehr Bestellungen auf 12,1 Mrd. Dollar (CHF 9,9 Mrd.), auch dank des Booms bei Rechenzentren. Die Aktie fiel an jenem Tag dennoch um bis zu 6,7 %, weil Investoren die Kosten und die Schwankungen im KI-Sektor fürchteten. CEO Morten Wierod sagte damals, er sehe keinerlei Verlangsamung.
Quellen
- Data centers on more than 3 dozen local ballots (29.10.2026) – Smart Cities Dive
- Ohio leads states in number of local ballot measures on data centers for 2026 (21.09.2026) – Ballotpedia News
- Voters in six states will decide future of data center construction (24.09.2026) – MultiState
- ABB tops order estimates on data center and utility demand (20.10.2026) – swissinfo.ch
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.