Lücke in der Strom-Notreserve: Neues Reservekraftwerk in Birr ist erst ab Ende Januar 2027 bereit
Das grösste Schweizer Notkraftwerk in Birr AG ist abgebaut, sein Nachfolger nebenan steht erst ab dem 31. Januar 2027 bereit. Weil die neue Anlage nur mit Erdgas läuft und Gas in Europa knapp und teuer ist, wächst die Kritik an der Winterplanung.
Erstmals seit 2022 könnte der Strom in der Schweiz im Winter wieder knapp werden, berichtet die NZZ am 1. November. Im Notfallplan des Bundes klafft dabei eine zeitliche Lücke. Die acht Gasturbinen von GE Vernova in Birr mit einer Leistung von bis zu 250 Megawatt (MW) sind nicht mehr im Einsatz. Der Kanton Aargau hatte einen Weiterbetrieb als nicht bewilligungsfähig eingestuft, der Bund verlangt den Rückbau bis Ende 2026.
Ersatz kommt erst im Spätwinter
Als Übergangslösung hat das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) im Juli 2025 einen Vertrag mit Ansaldo Energia unterzeichnet. Der Gasturbinen-Prüfstand des italienischen Konzerns, rund 500 Meter vom alten Standort entfernt, liefert ebenfalls 250 MW. Bereit ist er laut der verbindlichen Offerte aber erst ab dem 31. Januar 2027. Damit ist der Winter bereits zur Hälfte vorbei, auch wenn das UVEK die kritischste Phase zwischen Februar und April sieht. Für die Lösung liess der Bundesrat einen Zusatzkredit von CHF 275 Mio. beantragen.
Bis dahin stützt sich die Reserve auf kleinere Anlagen. Die Kraftwerke in Cornaux NE und Monthey VS sowie Notstromgruppen kommen zusammen auf rund 280 MW. Dazu kommt das Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk Forsthaus von Energie Wasser Bern mit 50 MW, das ab diesem Winter als Reserve unter Vertrag steht. Ergänzend gibt es die Wasserkraftreserve in den Speicherseen.
Gaskraftwerk ohne Gasspeicher
Heikel ist der Brennstoff. Die neue Anlage in Birr kann nur mit Erdgas betrieben werden, die alte lief auch mit Öl. Die Schweiz verfügt über keine eigenen Gasspeicher. Laut NZZ hat sich der europäische Gaspreis seit Jahresbeginn mehr als verdreifacht, als Gründe gelten der Iran-Krieg, Ausfälle beim Lieferanten Katar und schlecht gefüllte Speicher. Deutschland etwa geht mit gut 61 % statt der angestrebten 70 % Füllstand in den Winter.
Der ZHAW-Energieforscher Jürg Rohrer sagte gegenüber der NZZ sinngemäss, Gaskraftwerke nützten wenig, wenn das Gas fehle. Christoph Eisenring von Avenir Suisse nannte den Zeitpunkt des Wechsels unglücklich. Die Elektrizitätskommission Elcom hatte schon 2025 Zweifel geäussert, ob die Reservekraftwerke bei einer grossen europäischen Krise ausreichen.
Kosten landen auf der Stromrechnung
Die Reserve wird über einen Zuschlag auf den Netztarif finanziert. Für die Bauphase 2027 bis 2030 rechnet das Bundesamt für Energie vorübergehend mit über 0,75 Rappen pro Kilowattstunde, nach durchschnittlich 0,34 Rappen in den Jahren 2022 bis 2026. Die fünf neuen, langfristigen Reservekraftwerke mit insgesamt 583 MW, darunter Axpo in Muttenz, sollen erst ab 2030 vollständig verfügbar sein.
Quellen
- Erstmals seit 2022 könnte der Schweiz im Winter der Strom ausgehen. Doch im teuren Notfallplan klafft eine Lücke (01.11.2026) – NZZ
- Gasturbinen-Prüfstand von Ansaldo soll ab Februar 2027 als Reservekraftwerk bereitstehen (25.06.2025) – Bundesamt für Energie
- Gas- und Dampfkombikraftwerk von ewb steht ab Winter 2026/27 als Reservekraftwerk bereit (12.01.2026) – Bundesverwaltung
- Reservekraftwerk in Birr AG wird nicht weiterbetrieben (25.06.2025) – SRF
- Neue Reservekraftwerke: UVEK vergibt fünf Projekte mit 583 MW (14.05.2025) – Bundesverwaltung
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.