Russland weicht in die Arktis aus: Erstmals seit 1996 wird Roheisen über Murmansk verschifft
Die Angriffe auf Schiffe und Häfen im Schwarzen Meer verändern die Rohstoffströme. Russland verschifft nach Getreide nun auch Roheisen über den Arktishafen Murmansk. Die Ukraine verliert derweil einen grossen Teil ihrer Exporte, und Weizen ist deutlich teurer geworden.
Der Handelshafen Murmansk hat den Umschlag von Roheisen wieder aufgenommen, das er seit 1996 nicht mehr abgefertigt hatte. Das berichtete die Wirtschaftszeitung Delovoy Peterburg am 26. Oktober unter Berufung auf Kommersant. Russische Hersteller wollen im Rahmen von zwei Geschäften rund 100 000 Tonnen in die Türkei liefern. Rund 65 000 Tonnen gehen ab Murmansk zu etwa 400 Dollar (CHF 328) je Tonne inklusive Fracht, 40 000 Tonnen ab St. Petersburg zu 415 Dollar (CHF 340). Auch die Financial Times berichtet, dass Roheisen erstmals seit 30 Jahren über den nördlichen Hafen exportiert wird.
Getreide auf der Weltkriegsroute
Den Anfang machte Getreide. Laut Reuters wurde Ende Oktober eine erste Ladung von 3400 Tonnen in Murmansk verladen, rund 28 000 Tonnen Weizen sollen nach Casablanca gehen. Der Hafen liegt knapp 2000 Kilometer nördlich von Moskau nahe der norwegischen Grenze. Im Zweiten Weltkrieg brachten alliierte Konvois über ihn Güter in die Sowjetunion. Hauptausweg bleibt die Ostsee: Die dortigen Häfen schlugen im September 1,2 Mio. Tonnen um, über 60 % der russischen Getreideexporte auf dem Seeweg. Dafür werden Dünger- und Kohleterminals umgebaut. Der Umweg verteuert die Logistik, und wegen der Konkurrenz durch Getreide stiegen die Frachtraten für Roheisen ab St. Petersburg auf 70 bis 75 Dollar (CHF 57 bis 62) je Tonne.
Die Ukraine verliert ihre Exportwege
Härter trifft es die Ukraine. Laut Lloyd's List Intelligence liefen im August nur 21 Schiffe die ukrainischen Schwarzmeerhäfen an, rund 90 % weniger als ein Jahr zuvor, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. Die Häfen von Odessa sind wegen der russischen Angriffe weitgehend stillgelegt. Der Umweg über die Donau ist teuer: Der Transport einer Tonne Mais von der Zentralukraine nach Spanien kostet nun bis zu 150 Dollar (CHF 123), Anfang Jahr waren es bis zu 50 Dollar (CHF 41). Raketenangriffe haben zudem die Produktion des Stahlkonzerns Metinvest gestoppt. Die ukrainische Notenbank rechnet für 2026 mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,4 %.
Die Folgen zeigen sich an den Märkten. Laut Al Jazeera stieg Weizen in Chicago innert zwölf Monaten von 5,03 auf 6,03 Dollar (CHF 4,95) je Scheffel, ein Plus von rund 20 %. Vor dem Krieg lief rund ein Drittel der weltweiten Getreideexporte über das Schwarze Meer. Am 28. Oktober sank vor Bulgarien ein Containerschiff nach einem Drohnenangriff. Die Ukraine macht Russland dafür verantwortlich.
Quellen
- Из Петербурга и Мурманска: Россия отправит в Турцию 100 тысяч тонн чугуна (26.10.2026) – Delovoy Peterburg
- Murmansk port opens new grain path for Russia amid Black Sea risks (28.10.2026) – Reuters / TimesLIVE
- Russian strikes choke Ukraine's economy as steel shuts down and grain exports stall (02.11.2026) – AP / KRMG
- Grain under fire: Russian, Ukrainian Black Sea attacks threaten food supply (03.11.2026) – Al Jazeera
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.