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Russland greift weiter nach Westfirmen: Nach Nestlé trifft es nun auch das Genfer JTI

6. November 2026, 11:26 Uhr · 2 Min. Lesezeit · Redaktion TVinvestment

Seit September hat Moskau in drei Wellen mehr als 20 Gesellschaften westlicher Konzerne unter fremde Verwaltung gestellt. Mit Nestlé und JTI sind zwei Adressen aus der Schweiz betroffen. Für Anleger wird das verbliebene Russland-Geschäft zum Bilanzrisiko.

Am 5. November unterzeichnete Präsident Wladimir Putin ein Dekret, das die russischen Gesellschaften von Japan Tobacco International (JTI) unter vorläufige Verwaltung stellt. Die Kontrolle übernimmt laut The Moscow Times eine Firma namens Industrial Assets. Sie soll erst am 16. September registriert worden sein. JTI hat seinen Sitz in Genf, ist seit 1999 in Russland tätig und hält dort einen Marktanteil von bis zu 40 %. Der Konzern erklärte, er prüfe die Lage und seine Optionen.

Drei Wellen in sieben Wochen

Der Schritt reiht sich in eine Serie ein. Am 17. September traf das Dekret Nr. 661 laut der Anwaltskanzlei Noerr 16 russische Gesellschaften, darunter Nestlé Russia und Nestlé Kuban, Auchan, Teile von FM Logistic und die frühere Leroy-Merlin-Tochter. Auch der deutsche Händler Metro wurde im September erfasst. Am 16. Oktober folgten unter anderem Tarkett aus Frankreich, Ontex aus Belgien, Menshen aus Deutschland und die Eviosys-Einheit des US-Konzerns Sonoco. Euronews beziffert den Jahresumsatz dieser fünf Firmen auf rund 532 Mio. Euro (CHF 487 Mio.).

Für Nestlé geht es um rund 2 % des Konzernumsatzes, also etwa 1,8 Mrd. Franken, und um sechs Produktionsstandorte. Das Werk im südrussischen Timaschewsk zählt zu den weltweit grössten Fabriken für löslichen Kaffee. Der Konzern kündigte im September an, er wolle seine Rechte verteidigen und den Betrieb vor allem im Interesse der Beschäftigten aufrechterhalten.

Moskau spricht von einer umkehrbaren Massnahme

Die rechtliche Grundlage ist das Dekret Nr. 302 vom April 2023. Es erlaubt, Vermögen von Firmen aus sogenannt unfreundlichen Staaten fremd verwalten zu lassen. Der Verwalter erhält dabei die wesentlichen Kontrollrechte. Moskau begründet das Vorgehen mit den im Westen eingefrorenen russischen Staatsvermögen. Je nach Quelle ist von 210 bis 300 Mrd. Euro (CHF 192 bis 274 Mrd.) die Rede.

Putin sagte am 1. Oktober am Waldai-Forum gemäss Reuters, man habe niemandem etwas verstaatlicht. Bei einem günstigen Verlauf bekämen europäische Firmen ihr Vermögen zurück. Die Erfahrung spricht bisher kaum dafür: Noerr hält fest, solche Massnahmen hätten in der Vergangenheit häufig zu einem dauerhaften Kontrollverlust geführt. Danone und Carlsberg verkauften ihr Russland-Geschäft nach ihrer Fremdverwaltung. Schadenersatz vor internationalen Schiedsgerichten ist laut Euronews theoretisch möglich, aber gegen Russland kaum durchzusetzen.

Quellen

  1. Kremlin Seizes Japan Tobacco International's Russian Assets (05.11.2026) – The Moscow Times
  2. Russland stellt Vermögenswerte von Auchan und Nestlé unter vorläufige Verwaltung (20.09.2026) – Noerr
  3. Russland stellt Vermögen europäischer Firmen unter staatliche Kontrolle (16.10.2026) – Börsen-Zeitung / Reuters
  4. Nach Metro-Enteignung in Russland: Putin kassiert auch deutsche Firmentochter ein (16.10.2026) – Euronews
  5. Nestlé will Geschäftsbetrieb in Russland fortsetzen (18.09.2026) – trend.at
  6. Putin says Western companies could get their Russian assets back if things go well (01.10.2026) – Reuters via Internazionale

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.