Wall-Street-Kanzlei Weil Gotshal löst sich nach 95 Jahren auf: Partnerflucht und geplatzte Fusion
Die New Yorker Anwaltskanzlei Weil, Gotshal & Manges, eine der bekanntesten Adressen für Übernahmen und Konkursverfahren, wird aufgelöst. Die Führung empfahl den Partnern am Mittwoch einen geordneten Rückzug. Zuvor hatten zahlreiche Spitzenanwälte die Kanzlei verlassen.
Die Kanzlei Weil, Gotshal & Manges gibt auf. Die Geschäftsleitung habe nach einer sorgfältigen Prüfung strategischer Alternativen empfohlen, eine «geordnete Abwicklung» anzustreben, teilte die Firma am Mittwoch, 28. Oktober, mit. Das berichteten die Nachrichtenagentur Reuters und die Londoner Wirtschaftszeitung City AM. Die Partner wurden am Nachmittag in einer Telefonkonferenz informiert. Die Abwicklung soll sich über die kommenden Monate erstrecken.
Weil wurde 1931 gegründet und erzielte im vergangenen Jahr laut dem Branchenportal Above the Law einen Umsatz von 2,1 Mrd. Dollar. Die Kanzlei beschäftigt laut City AM weltweit über 2000 Mitarbeitende, davon rund 400 in London. Seit Jahrzehnten begleitet sie grosse Firmenübernahmen, Gerichtsverfahren und Konkurse.
Abgänge und eine geplatzte Fusion
Der Niedergang ging schnell. Im September wechselte Corporate-Chef Mike Aiello zur Konkurrentin Cravath. Im August war bereits der Co-Leiter der Private-Equity-Abteilung, Christopher Machera, zu Paul Weiss gegangen. Danach folgten weitere Partner in den USA und in London. Gespräche über einen Zusammenschluss mit der Kanzlei Willkie Farr & Gallagher scheiterten im Oktober.
Reuters verweist auf einen harten Wettbewerb um Spitzenkräfte. Grosse Kanzleien locken Partner mit hohen Vergütungen, vor allem in den Bereichen Private Equity, Übernahmen und Prozessführung. Verlässt ein Teil der umsatzstarken Partner eine Firma, gerät sie schnell finanziell unter Druck. John Bringardner vom Informationsdienst Debtwire sieht die Ursache laut City AM in einer Vertrauenskrise unter den Partnern nach der gescheiterten Fusion, nicht in Schulden oder überhöhten Ausgaben.
Wie es weitergeht
Laut dem Wall Street Journal soll die Restrukturierungsfirma AlixPartners die Abwicklung begleiten. Die Kanzlei will ihre Mandanten bis zum Schluss betreuen. Anwälte, Angestellte und Kunden können zu anderen Kanzleien wechseln. Bringardner hält es laut City AM für möglich, dass Weil ein Konkursverfahren nach Chapter 7 einleitet, um sich aus Mietverträgen für Büros zu lösen. Das ist ein Verfahren des US-Rechts, bei dem ein Unternehmen liquidiert und nicht saniert wird.
Es ist einer der grössten Zusammenbrüche einer Anwaltskanzlei seit dem Ende von Dewey & LeBoeuf im Jahr 2012. Für Unternehmen, die mitten in Übernahmen oder Konkursverfahren stecken, bedeutet der Wechsel der Berater zusätzlichen Aufwand.
Quellen
- Weil Gotshal law firm plans to dissolve, capping dizzying fall (28.10.2026) – Reuters / Yahoo Finance
- Legal powerhouse Weil Gotshal votes to liquidate after 95 years (28.10.2026) – City AM
- After 95 Years, Weil Gotshal Is Winding Down (28.10.2026) – Above the Law
- Weil Gotshal Taps AlixPartners to Steer Wind-Down (29.10.2026) – Wall Street Journal
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.