Autoneum kauft den französischen Konkurrenten Trèves für höchstens 64 Mio. Euro (CHF 59 Mio.)
Der Winterthurer Autozulieferer Autoneum will die französische Trèves Group übernehmen. Der Umsatz soll auf über CHF 2,9 Mrd. steigen. Bezahlt wird vor allem mit neuen Aktien, ab 2029 sollen die jährlichen Synergien über CHF 50 Mio. liegen.
Autoneum hat am 2. November einen grossen Expansionsschritt angekündigt. Das Unternehmen aus Winterthur will die französische Trèves Group kaufen, die wie Autoneum akustische und thermische Isolation für Autos sowie Teile für Innenraum und Kofferraum herstellt. Trèves beschäftigt rund 4600 Mitarbeitende an 26 Produktionsstandorten in 15 Ländern und setzte 2025 rund 720 Mio. Euro (CHF 663 Mio.) um.
Autoneum selbst kam 2025 auf knapp CHF 2,3 Mrd. Umsatz und zählt rund 16 400 Beschäftigte an über 77 Standorten in 25 Ländern. Zusammen soll der Umsatz für das Geschäftsjahr 2026 auf Pro-forma-Basis, also so gerechnet, als gehörten beide Firmen schon zusammen, über CHF 2,9 Mrd. liegen.
Niedriger Preis, aber Schulden kommen dazu
Der Kaufpreis wirkt im Verhältnis zum Umsatz klein. Beim Abschluss werden rund 40 Mio. Euro (CHF 37 Mio.) fällig, grösstenteils in neuen Autoneum-Aktien aus dem bestehenden Kapitalband. Bar fliessen nur rund 7,5 Mio. Euro (CHF 6,9 Mio.). Die neuen Aktien unterliegen einer Sperrfrist von drei Jahren. Weitere bis zu 24 Mio. Euro (CHF 22 Mio.) sind erfolgsabhängig und an EBITDA-Verbesserungen sowie erreichte Synergien bis 2029 geknüpft. Das Maximum liegt damit bei 64 Mio. Euro (CHF 59 Mio.).
Entscheidend ist aber nicht nur der Preis. Autoneum nimmt eine neue, unbesicherte Kreditlinie über CHF 200 Mio. mit Laufzeit bis Dezember 2029 auf, unter anderem um das laufende Geschäft von Trèves zu finanzieren. Die Nettoverschuldung soll pro forma beim Abschluss beim rund Zweifachen des EBITDA liegen und mittelfristig unter das 1,5-Fache sinken. Angaben zur Rentabilität von Trèves machte Autoneum laut cash.ch nicht. Der Fonds Avenir Automobile soll an der nächsten Generalversammlung einen Kandidaten für den Verwaltungsrat von Autoneum vorschlagen.
Sparziele und Zeitplan
Die Integration kostet zunächst Geld. Für 2027 und 2028 rechnet Autoneum mit Restrukturierungskosten von insgesamt rund CHF 60 Mio. Ab 2029 sollen wiederkehrende Einsparungen von über CHF 50 Mio. pro Jahr folgen, vor allem im Produktionsnetz, im Einkauf sowie bei Vertrieb und Verwaltung. Ab 2028 soll die Übernahme den Gewinn pro Aktie erhöhen.
Der Abschluss ist für Anfang des ersten Quartals 2027 geplant. Vorher müssen die Arbeitnehmervertretungen von Trèves angehört werden, zudem braucht es die üblichen Bewilligungen der Behörden. Die mittelfristigen Rentabilitätsziele bestätigt Autoneum vorerst, die übrigen Mittelfristziele sollen nach dem Abschluss neu beurteilt werden. Die Aktie schloss am 30. Oktober bei 118.60 Franken, die Reaktion an der Börse lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor.
Quellen
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.