Binance-Bericht: Falsche Jobinterviews ebneten den Weg zum Raub von 6,3 Mrd. Dollar (CHF 5,2 Mrd.)
Binance hat am Dienstag erklärt, wie der grösste Krypto-Diebstahl der Geschichte ablief. Die Täter bearbeiteten Angestellte über Monate mit gefälschten Bewerbungsverfahren und nutzten am Ende ein internes KI-Werkzeug.
Die Kryptobörse Binance hat am 3. November erstmals im Detail den Ablauf des Angriffs vom 29. Oktober offengelegt. «Das war nicht ein einzelner Fehler oder eine einzelne Lücke. Es war eine über viele Monate aufgebaute Kampagne», sagte Co-Chef Richard Teng laut Bloomberg. Das FBI schreibt die Tat Nordkorea zu, Pjöngjang bestreitet das.
Vier Etappen bis zum Zugriff
Laut dem Bericht, den das Fachportal The Block zusammenfasst, begann alles im Juni. Ein Ingenieur aus dem Wallet-Team installierte ein manipuliertes Paket des Entwicklerwerkzeugs Homebrew. Laut Fortune war er über eine Internetanzeige darauf gestossen. Die Sicherheitsabteilung bemerkte das, ersetzte das Gerät und erneuerte die Zugangsdaten. Die Angreifer wussten da aber schon, welche Rolle er hatte und wer die Wallets der Börse verwaltet.
Im September folgte das Social Engineering, also die gezielte Täuschung von Menschen. Über eine Jobplattform meldete sich ein angeblicher Projektleiter bei einem anderen Entwickler. Nach Gesprächen mit einer vermeintlichen Personalverantwortlichen und dem Chef einer erfundenen Firma lud der Mann eine Testaufgabe herunter, die Schadsoftware enthielt. Damit war sein Arbeitsrechner infiziert.
Am 20. Oktober übernahmen die Täter über diesen Rechner und ein internes KI-Werkzeug die Geräte zweier weiterer Ingenieure. Auf einem davon fanden sie die Berechtigung, Software-Container in Betrieb zu nehmen. Neun Tage später starteten sie damit ein Skript, das die Infrastruktur für die Signatur der Wallets angriff.
Schaden fast gedeckt, Ursache bleibt heikel
Binance gibt an, 98 % der entwendeten Werte ersetzt zu haben, aus eigenen Mitteln und zwei Versicherungsfonds. Die eingefrorenen oder abgefangenen Beträge variieren je nach Quelle von 2,5 Mrd. bis knapp 3 Mrd. Dollar (CHF 2,1 bis 2,5 Mrd.). Daran beteiligt waren vor allem die Stablecoin-Herausgeber Tether und Circle. Laut Binance übersteigen die stündlichen Einzahlungen inzwischen die Auszahlungen.
Unangenehm ist ein Detail: Ein Sprecher sagte Fortune, Angestellte ohne öffentliche Funktion dürften kein LinkedIn-Profil führen. Ob der Ingenieur gegen diese Regel verstiess, liess er offen. Binance kündigte eine unabhängige Sicherheitsprüfung an und erklärte, 2026 bereits 57 mutmasslich nordkoreanische Angriffe abgewehrt zu haben.
Die Masche betrifft auch die Schweiz. Laut NZZ steigt die Zahl der Krypto-Diebstähle bei hiesigen Firmen seit Jahresbeginn, und die Behörden warnen vor Betrug über LinkedIn. Der Bitcoin hatte nach dem Angriff um über 4 % auf fast 76 000 Dollar (CHF 62 400) nachgegeben und notierte am Dienstag bei rund 77 400 Dollar (CHF 63 500).
Quellen
- Binance says hackers used fake job interview, internal AI tool in $6.3 billion breach (03.11.2026) – The Block
- North Korea used LinkedIn, fake job interviews to trick Binance engineer in $6.3 billion hack (03.11.2026) – Fortune
- Binance Hackers Used Fake Job Interviews in $6.3 Billion Heist (03.11.2026) – Bloomberg via Insurance Journal
- Die nordkoreanischen Hacker hinter dem Binance-Raub sind auch in der Schweiz aktiv (03.11.2026) – NZZ
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.