Brasiliens Bauern in der Schuldenkrise: Ausfälle erreichten Rekord, Banken werden strenger
Brasiliens Landwirtschaft kämpft mit so hohen Kreditausfällen wie seit Beginn der Statistik nicht mehr. Im September ging die Quote zwar auf 8,7 % zurück, doch das dürfte vor allem an Umschuldungen liegen. Nach Lulas Wahlsieg bleibt die Stimmung im Agrarsektor gedrückt.
Im August waren laut der brasilianischen Zentralbank 9,69 % der gelenkten Agrarkredite an Privatpersonen mehr als 90 Tage überfällig. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Datenreihe 2011. Ein Jahr zuvor lag die Quote noch bei 5,23 %. Bloomberg schrieb am 3. November, die Wiederwahl von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva verstärke die Sorgen der Landwirte zusätzlich.
Für September meldet die Zentralbank zwar eine Entspannung auf 8,7 %. Laut einer Auswertung von Pensar Agro könnten dabei aber Umschuldungen geholfen haben. Das bedeutet oft nur neue Zahlungstermine, nicht mehr Zahlungskraft. Deutlich schlechter sieht es bei Krediten zu Marktzinsen aus. Dort sind 15,8 % überfällig, bei regulierten Zinsen 3,7 %.
Überfällige Kredite haben sich verzehnfacht
Das Ausmass zeigt eine Studie der Beratung Agroicone auf Basis von Zentralbankdaten. Der Bestand der mehr als 90 Tage überfälligen Agrarkredite stieg von 3,8 Mrd. Real (CHF 577 Mio.) im Juli 2023 auf 38,4 Mrd. Real (CHF 5,8 Mrd.) im April 2026. Die durchschnittliche Schuld säumiger Kreditnehmer hat sich laut der Kreditauskunftei Serasa von Anfang 2023 bis Anfang 2026 auf rund 120 000 Real (CHF 18 200) verdreifacht.
Banken ziehen die Zügel an
Die Folgen spürt die neue Saison. Im September vergaben Banken 20,2 Mrd. Real (CHF 3,1 Mrd.) an gelenkten Krediten an Privatpersonen, 12,8 % weniger als ein Jahr zuvor. In den ersten zwei Monaten der Saison 2026/27 schlossen Landwirte laut der parlamentarischen Agrarfraktion FPA rund 375 000 Kreditverträge ab, nach 458 000 im Vorjahr. Vertreter von Itaú BBA und Santander warfen im August auf einem Branchenkongress den Rufen nach einem Schuldenerlass vor, sie könnten die Ausfälle noch verstärken.
Hinzu kommen weitere Risiken. Ein möglicher starker El Niño könnte die Erträge schmälern und gerade umgeschuldete Betriebe treffen. Zudem entscheidet die Notenbank am 4. November über den Leitzins, der Real hat nach der Wahl deutlich nachgegeben. Die Versorgungsbehörde Conab rechnet für 2026/27 trotzdem mit einer Getreideernte von rund 367 Mio. Tonnen.
Quellen
- Inadimplência no crédito rural cai 10,3% em setembro, maior recuo em 15 anos (30.10.2026) – NX1 / Pensar Agro
- Inadimplência no crédito rural bate recorde e acende alerta (13.10.2026) – Jornal Empresas & Negócios
- Brazilian banks take harder line as farm credit strains deepen (13.08.2026) – The AgriBiz
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.