Schweiz

Interne Bundesanalyse: Ein Wegzug der UBS in die USA oder nach London brächte kaum Kapitalvorteile

29. Oktober 2026, 20:22 Uhr · 2 Min. Lesezeit · Redaktion TVinvestment

Der Bund hat durchgerechnet, was ein Umzug der UBS ins Ausland bringen würde. Laut einem Dokument, das Reuters einsehen konnte, wären die Kosten in den USA und in Grossbritannien so hoch, dass sie die strengeren Schweizer Kapitalregeln weitgehend aufwiegen.

Die Debatte um den Hauptsitz der UBS erhält ein neues Element. Die Bundesverwaltung hat intern geprüft, wie die Grossbank dastünde, wenn sie ihren Sitz verlegen würde, um den geplanten Kapitalvorschriften zu entgehen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am 29. Oktober über die Analyse, die ihr vorliegt. Das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) bestätigte, es habe mögliche Umzugsvarianten untersucht, unter anderem auf Wunsch einer parlamentarischen Kommission.

Hintergrund ist die Verschärfung der Regeln nach dem Untergang der Credit Suisse im Jahr 2023. Die Vorlage könnte die UBS zwingen, zusätzliches hartes Kernkapital (CET1, das Eigenkapital höchster Qualität) von rund 18 Mrd. Dollar (CHF 14,9 Mrd.) aufzubauen. Die Bank lehnt die Pläne ab.

USA: Andere Struktur, ähnliche Last

Die USA gelten als naheliegendstes Ziel. Laut der Analyse wäre ein Umzug dorthin aber alles andere als einfach. In den USA ist eine sogenannte flache Holdingstruktur üblich, bei der die Holding alle Tochtergesellschaften direkt hält. Wegen amerikanischer Vorgaben zur Doppelverschuldung und zur «sauberen» Holding würde eine solche Struktur gemäss den Bundesbehörden praktisch gleich viel Kapital binden, wie wenn sowohl das Heimgeschäft als auch die ausländischen Einheiten voll mit Kapital unterlegt würden. Entlastung wäre nur möglich, wenn die US-Aufsicht die heutige Struktur der UBS akzeptieren würde. Zudem warnt das Dokument, dass sich die US-Regeln nach einem Regierungswechsel stark ändern könnten.

Grossbritannien: Mildere Regeln, teures Schweizer Geschäft

In Grossbritannien wären die Vorschriften für ausländische Töchter etwas weniger streng, und die Aufsicht gewährt teils Ausnahmen. Dafür müsste die UBS ihr Schweizer Geschäft mit mehr Eigenkapital absichern, weil es aus britischer Sicht ein deutlich höheres Risikogewicht hätte. Eine genaue Bezifferung sei schwierig, heisst es in der Analyse. Nicht untersucht wurden ein Wegzug über eine Fusion, den die Bank laut Reuters vorsorglich prüft, sowie die Folgen für die Schweizer Volkswirtschaft.

Politik ringt um 100 oder 90 Prozent

Das EFD bezeichnet die Vorlage als wirksam, zielgerichtet, verhältnismässig und für die UBS verkraftbar. Die UBS wollte sich gegenüber Reuters nicht zu Spekulationen äussern. Konzernchef Sergio Ermotti hatte am Mittwoch bei der Vorlage der Quartalszahlen gesagt, die Bank prüfe ihre Wettbewerbsfähigkeit mit Sitz in der Schweiz, sehe aber keinen Grund zur Eile.

Kern des Streits ist die Vorgabe, ausländische Tochtergesellschaften zu 100 % mit hartem Kernkapital zu unterlegen. Der Ständerat hat den Wert im September auf 90 % gesenkt. Die vorberatende Kommission des Nationalrats ist auf die Vorlage eingetreten. Die Detailberatung folgt im November, eine Abstimmung im Nationalrat ist im Dezember möglich. Für die Schweiz steht viel auf dem Spiel: Die UBS-Holding zahlte 2025 rund 1 Mrd. Dollar (CHF 826 Mio.) Steuern, und der Bankpersonalverband warnt, bis zu 12 000 der rund 34 000 Stellen in der Schweiz seien bei einem Wegzug gefährdet.

Die UBS-Aktie schloss am Donnerstag an der SIX bei CHF 39,71 und damit 2,9 % höher als am Vortag.

Quellen

  1. Dokument des Bundesrats: Wegzug ins Ausland würde UBS teuer zu stehen kommen (29.10.2026) – cash.ch / Reuters
  2. Exclusive-Swiss assess potential UBS relocation, highlight difficulties (29.10.2026) – Investing.com / Reuters
  3. Exclusive-Swiss assess potential UBS relocation, highlight difficulties (29.10.2026) – Global Banking & Finance Review

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.