Euro fällt unter 92 Rappen: Frankreich-Sorgen und EZB machen den Franken so stark wie seit Juli nicht
Der Franken gewinnt zum Ende der Woche weiter an Wert. Der Euro kostet am Freitagmittag nur noch rund 0,92 Franken, so wenig wie seit Anfang Juli nicht mehr. Auch zum Dollar legt die Schweizer Währung zu.
Am Freitag um die Mittagszeit notierte der Euro bei rund 0,9196 Franken. Schon nach dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstagnachmittag war er unter die Marke von 92 Rappen gerutscht. Laut Kursdaten von Yahoo Finance hatte der Euro letztmals Anfang Juli auf einem tieferen Niveau geschlossen. Der Dollar kostete gleichzeitig gut 82 Rappen, nachdem er Mitte Oktober noch rund 84 Rappen erreicht hatte.
Frankreich belastet den Euro
Ein wichtiger Treiber ist Frankreich. Die zweitgrösste Volkswirtschaft der Eurozone ist im dritten Quartal laut dem Statistikamt Insee um 0,1 % geschrumpft, nach einer Stagnation im zweiten Quartal. Bereits seit Wochen drücken Sorgen um die französischen Staatsfinanzen auf den Euro. Am 22. Oktober stieg die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen laut dem Analysedienst investingLive über 5 %, den höchsten Stand seit 2002. Zum britischen Pfund steuert der Euro laut Bloomberg auf den schwächsten Monat seit 2022 zu.
Die EZB liess ihren Einlagensatz am Donnerstag bei 2,50 %. Laut cash.ch dürfte das aber nicht der einzige Grund für die Euroschwäche sein. Einzelne Marktteilnehmer bemängeln demnach, dass der vorzeitige Abgang von EZB-Präsidentin Christine Lagarde die Glaubwürdigkeit der Notenbank schwächen könnte. Matthew Ryan vom Währungsspezialisten Ebury sieht den Zeitpunkt gemäss cash.ch zumindest teilweise politisch motiviert, weil die Nachfolge so vor der französischen Präsidentschaftswahl 2027 geregelt werden könne.
Sicherer Hafen gegen Carry Trade
Der Franken steht damit zwischen zwei Kräften. Bei Schuldensorgen in der Eurozone fliesst Geld in den Franken als sicheren Hafen. «Steigt das Schuldenrisiko in der Eurozone, ist der Franken immer der bevorzugte sichere Hafen», sagte Francesco Pesole von der ING Anfang Oktober sinngemäss gegenüber Bloomberg. Umgekehrt nutzen Investoren den Franken wegen der tiefen Zinsen als Finanzierungswährung für Carry Trades: Sie leihen sich günstig Franken und legen das Geld in höher verzinsten Währungen an. Laut cash.ch rentieren einjährige Dollaranlagen derzeit 4,4 %, vergleichbare Schweizer Anlagen nur 0,11 %.
Kit Juckes von der Société Générale hält die Rolle als Finanzierungswährung gemäss cash.ch für fragwürdig. Er verweist auf das Nettoauslandvermögen der Schweiz von 1,22 Billionen Dollar (CHF 1000 Mrd.), was 109 % des Bruttoinlandprodukts entspricht, auf einen Leistungsbilanzüberschuss von rund 6 % und einen fast ausgeglichenen Staatshaushalt.
Kein Druck auf die SNB
Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist die Aufwertung vorerst kein Alarmsignal. Ihr Leitzins liegt bei 0 %, und die Teuerung dürfte laut cash.ch vorerst unter 1 % bleiben, während die Wirtschaft in diesem Jahr real um etwa 2 % wachsen dürfte. Weiteren Aufwertungsdruck sieht Juckes vor allem dann, wenn die Ölpreise sinken und der Dollar schwächer wird. Derzeit kostet ein Fass der Nordseesorte Brent allerdings gut 113 Dollar (CHF 93).
Quellen
- Euro auf Vier-Monate-Tief: Warum der Franken wieder seine Muskeln spielen lässt (30.10.2026) – cash.ch
- Avec un recul surprise du PIB au troisième trimestre, l'économie française flirte avec la récession (30.10.2026) – Le Monde
- EUR/CHF falls to three-month lows as French bond turmoil raises fresh euro risks (22.10.2026) – investingLive
- French debt jitters fuel rush to Swiss franc (02.10.2026) – Swissinfo / Bloomberg
- Euro Set For Worst Month Versus Pound Since 2022 on French Woes (30.10.2026) – Bloomberg
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.