Grossbritannien zahlt für fünfjährige Anleihen so viel wie seit 2008 nicht mehr – am Mittwoch folgt das Budget
Am Vorabend des ersten Budgets von Finanzminister John Healey hat Grossbritannien fünfjährige Staatsanleihen für 4,5 Mrd. Pfund verkauft. Die Durchschnittsrendite lag bei 5,036 %, so hoch wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Die Nachfrage war dennoch kräftig.
Die britische Schuldenagentur Debt Management Office (DMO) hat am 27. Oktober eine Anleihe mit Fälligkeit März 2032 und einem Kupon von 4,625 % aufgestockt. Verkauft wurden Papiere für 4,5 Mrd. Pfund, umgerechnet knapp 5 Mrd. Franken. Die durchschnittliche Rendite von 5,036 % ist laut der Nachrichtenagentur Reuters die höchste bei einer fünfjährigen Auktion seit 2008.
Am Interesse der Investoren fehlte es nicht. Die Gebote übertrafen das Angebot um das 3,51-Fache. Diese sogenannte Bid-to-Cover-Ratio zeigt, wie viel Nachfrage auf jedes angebotene Pfund kommt. Ein Wert über drei gilt als solide. Der Staat findet also Käufer, muss ihnen aber einen hohen Zins bieten.
Zinslast engt den Spielraum ein
Die Renditen britischer Staatsanleihen, im Markt «Gilts» genannt, sind in den letzten Wochen stark gestiegen. Fünf- und zehnjährige Gilts erreichten zuletzt den höchsten Stand seit 2008. Im Oktober kletterten die Renditen 20- und 30-jähriger Papiere sogar auf den höchsten Wert seit 1998. Reuters nennt als Treiber die weltweit gestiegenen Inflationssorgen seit Beginn des Kriegs zwischen den USA und Iran sowie das wachsende Angebot an Staatsanleihen nach dem Sprung der Energiepreise.
Für die Regierung von Premierminister Andy Burnham ist das ein Problem. Höhere Zinsen verteuern den Schuldendienst. Der finanzielle Spielraum gegenüber den eigenen Budgetregeln lag im März noch bei 24 Mrd. Pfund. Ökonomen schätzen ihn inzwischen nur noch auf rund 8,5 bis 16 Mrd. Pfund. Die unabhängige Budgetbehörde OBR rechnete bereits im März damit, dass die Zinskosten bis Ende des Jahrzehnts auf 3,8 % der Wirtschaftsleistung steigen, fast doppelt so viel wie in den 2010er-Jahren.
Was Händler vom Budget erwarten
Healey legt sein erstes Budget am Mittwoch, 28. Oktober, vor. Von Reuters befragte Anleihehändler erwarten, dass Grossbritannien im laufenden Fiskaljahr Gilts für rund 3,4 Mrd. Pfund mehr ausgibt als geplant. Der Bruttofinanzierungsbedarf für 2027/28 dürfte um 27 Mrd. auf 334 Mrd. Pfund steigen. Die Schuldenagentur setzt dabei vermehrt auf kürzere Laufzeiten, weil lange Anleihen besonders teuer geworden sind.
Im Fokus steht auch der Bankensektor. Die Sonderabgabe auf Bankgewinne liegt heute bei 3 % und bringt etwas mehr als 1 Mrd. Pfund pro Jahr ein. Analysten halten eine Erhöhung für wahrscheinlich. Die grossen Banken HSBC, NatWest, Lloyds und Barclays hatten im Oktober bis Mitte Monat 3 bis 5 % an Wert verloren. Daneben gelten höhere Steuern auf Glücksspiel und Änderungen bei Immobiliensteuern als mögliche Massnahmen. «Bei diesem Budget geht es um Glaubwürdigkeit», sagte Luke Hickmore von Aberdeen Investments gegenüber Reuters.
Quellen
- Britain Sells Costliest 5-Year Debt Since 2008 Ahead of Annual Budget (27.10.2026) – Reuters / Global Banking & Finance Review
- UK sells £4.5bn 5-year bonds at 5.036% before Healey's budget (27.10.2026) – NewsBytes
- GRAPHIC-How Healey's first UK budget could ripple through markets (16.10.2026) – Reuters / Devdiscourse
- Budget 2026: Which taxes will Burnham and Healey hike? (25.08.2026) – City A.M.
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.