Technologie

Deutschland bereitet Huawei-Bann vor: 5G-Antennen sollen als kritisch gelten, Netzbetreiber wehren sich

3. November 2026, 19:25 Uhr · 2 Min. Lesezeit · Redaktion TVinvestment

Das deutsche Innenministerium verschärft laut Handelsblatt den Kurs gegen chinesische Netztechnik. Neue Vorgaben könnten Huawei und ZTE faktisch aus den Mobilfunknetzen drängen. Telekom, Vodafone und Telefónica warnen vor hohen Kosten und schlechterer Versorgung.

Das Bundesinnenministerium bereitet laut einem Bericht des Handelsblatts vom 3. November weitreichende Verbote chinesischer Netzwerktechnik vor. Ein Sprecher begründete das mit der «sicherheitspolitischen Zeitenwende»: Abhängigkeiten und Risiken bei kritischer Infrastruktur müssten neu bewertet werden. Falls nötig, werde das Ministerium seine gesetzlichen Möglichkeiten nutzen und bestimmte Komponenten verbieten.

Auslöser ist ein Katalog der Bundesnetzagentur. Der Entwurf, den die Behörde Ende September zusammen mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik vorgelegt hat, stuft erstmals alle Funktionen der 5G-Basisstationen als kritisch ein. Diese Anlagen verbinden Smartphones mit dem übrigen Netz und sind über das ganze Land verteilt. Die endgültige Liste soll im Januar 2027 erscheinen.

Bis zu 46 000 Standorte betroffen

Die Folgen könnten weit über einzelne Bauteile hinausgehen. Netzausrüster verkaufen ihre Technik meist als Paket, darum würde ein Verbot der Basisstationen Huawei und ZTE laut Handelsblatt faktisch vom deutschen Markt ausschliessen. Betroffen wären nach Berichten der WirtschaftsWoche rund 46 000 Antennenstandorte.

Über die Kosten gehen die Schätzungen weit auseinander. Die Mobilfunkanbieter beziffern einen europaweiten Austausch auf 40 Mrd. Euro (CHF 37 Mrd.). Der Telekommunikationsexperte John Strand hält für Deutschland 2,5 Mrd. Euro (CHF 2,3 Mrd.) für realistischer. Als Alternativen gelten Nokia und Ericsson aus Europa sowie Samsung aus Südkorea.

Telekom pocht auf die Vereinbarung von 2024

Alle Netzbetreiber haben die Aufnahme der Basisstationen in den Katalog in der Konsultation als unverhältnismässig abgelehnt. Die Deutsche Telekom warnte, die Versorgungsqualität würde aufs Spiel gesetzt. Sie geht davon aus, dass die Abmachung von 2024 mit der Regierung weiter gilt. Diese verlangt, chinesische Technik bis Ende 2026 aus dem 5G-Kernnetz und bis Ende 2029 aus zentralen Steuerungssystemen zu entfernen. Die Antennen waren weitgehend ausgenommen.

Huawei lehnt die Pläne ebenfalls ab und argumentiert, die Funktionen der Basisstationen gehörten nicht pauschal auf die Liste. Rückenwind erhält die Regierung von einem Gutachten einer Generalanwältin am Europäischen Gerichtshof. Es hält fest, dass EU-Staaten Hersteller aus Sicherheitsgründen ausschliessen dürfen. Beschlossen ist das Verbot noch nicht. Ein Treffen von Digitalminister Carsten Wildberger mit den Chefs der Netzbetreiber deutete laut Soester Anzeiger Ende September darauf hin, dass weiterhin eine einvernehmliche Lösung bevorzugt wird.

Quellen

  1. Mobilfunk: Bundesregierung bereitet neue Huawei-Verbote vor (03.11.2026) – Handelsblatt
  2. 5G: Bundesregierung erwägt weitreichende Huawei-Verbote (03.11.2026) – dts Nachrichtenagentur / Finanznachrichten
  3. Mobilfunk: Droht Huawei durch den BNetzA-Katalog das Komplett-Aus? (30.09.2026) – WirtschaftsWoche
  4. 46.000 Antennen im Visier: Bundesnetzagentur bringt grosse Umstellung auf den Weg (30.09.2026) – Soester Anzeiger

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.