Indonesiens Börse unter Druck: Jakarta-Index verliert über 40 %, MSCI droht mit Abstufung
Der Indexanbieter MSCI will Indonesien aus der Gruppe der Schwellenländer werfen und auf eine Stufe mit Libanon und Simbabwe stellen. Die Börse in Jakarta hat seit Jahresbeginn rund 41 % verloren, ausländische Anleger ziehen Milliarden ab.
Für Indonesiens Aktienmarkt mit einem Börsenwert von rund 500 Mrd. Dollar (CHF 410 Mrd.) wird die Lage immer ernster. Der Leitindex Jakarta Composite schloss am Freitag, 30. Oktober, bei 5057 Punkten. Das sind 7 % weniger als eine Woche zuvor und laut Jakarta Globe rund 41,5 % weniger als zu Jahresbeginn. Damit ist er der schwächste unter den wichtigen Indizes weltweit. Allein am 16. Oktober war der Markt um 11,6 % eingebrochen.
MSCI erwägt den «Standalone»-Status
Auslöser war eine Mitteilung von MSCI am 16. Oktober. Der Anbieter, an dessen Indizes sich viele Fonds und ETF ausrichten, hält Indonesiens Einstufung als Schwellenland nicht mehr für angemessen. Statt einer Herabstufung zum Grenzmarkt (Frontier Market) prüft MSCI den Status «Standalone». Solche Märkte gehören zu keinem der grossen Indexpakete. Laut Reuters stünde Indonesien damit in einer Gruppe mit Libanon und Simbabwe. Die Konsultation läuft bis zum 30. April 2027, der Entscheid soll bis Ende Juni fallen.
MSCI bemängelt undurchsichtige Eigentümerstrukturen, eine hohe Konzentration der Aktien bei wenigen Grossaktionären und den Verdacht auf abgesprochenen Handel. Eine am Sonntag veröffentlichte Recherche von Bloomberg führt die Krise auf Scheingeschäfte und Kursrallys von bis zu 5000 % zurück, von denen Tycoons des Landes profitiert hätten. Die Behörden hatten Reformen angekündigt, etwa die Offenlegung von Beteiligungen ab 1 % und einen schrittweise auf 15 % steigenden Mindest-Streubesitz (Free Float, frei handelbarer Anteil der Aktien). Laut MSCI gibt es aber noch keine Belege, dass sich der Markt dadurch spürbar verbessert hat.
Milliardenabflüsse befürchtet
Goldman Sachs schätzt, dass eine vollständige Entfernung aus den MSCI-Indizes passive Abflüsse von 5,6 Mrd. Dollar (CHF 4,6 Mrd.) auslösen könnte. Aktive Fonds, die sich an diesen Indizes messen, halten zusätzlich mehr als 8 Mrd. Dollar (CHF 6,6 Mrd.). Zieht FTSE Russell nach, wären laut Goldman weitere 2,7 Mrd. Dollar (CHF 2,2 Mrd.) gefährdet. Ausländer haben seit Jahresbeginn bereits Aktien für netto 97,9 Billionen Rupiah (CHF 4,4 Mrd.) verkauft.
Die Finanzaufsicht OJK reagiert mit Härte. Sie verhängte Mitte Oktober Bussen von 2,1 Billionen Rupiah (CHF 95 Mio.) wegen mutmasslicher Kursmanipulation bei drei Titeln. Agus Firmansyah, Abteilungsleiter bei der OJK, räumte am Samstag ein, MSCI zweifle weiter daran, dass der Markt frei von Funktionsstörungen sei. Die Ratingagenturen Moody's und Fitch hatten den Ausblick für Indonesien bereits früher im Jahr auf negativ gesenkt.
Quellen
- MSCI weighs downgrading Indonesia to standalone-market status (16.10.2026) – The Jakarta Post / Reuters
- Indonesian stocks slide to six-year low as MSCI 'standalone' warning weighs (19.10.2026) – The Jakarta Post / Reuters
- OJK Says 'Market Dysfunction' Drives MSCI's Downgrade Threat (31.10.2026) – Jakarta Globe
- Goldman sees US$5.6 billion outflow from Indonesian stocks after MSCI move (22.10.2026) – Indonesia Business Post
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.