Rohstoffe

Rekordmargen ohne Neubauten: Warum die Ölkonzerne trotz Diesel-Engpass keine Raffinerien bauen

1. November 2026, 10:24 Uhr · 2 Min. Lesezeit · Redaktion TVinvestment

Raffinerien verdienen so viel wie nie, Diesel ist weltweit knapp. Trotzdem plant in den USA kein Konzern eine neue Anlage. Exxon-Chef Darren Woods rechnet damit, dass sich der Markt frühestens weit im Jahr 2027 normalisiert.

Die Verarbeitung von Rohöl zu Benzin, Diesel und Kerosin ist 2026 zum besten Geschäft der Ölbranche geworden. Exxon Mobil wies für das dritte Quartal im Bereich Energieprodukte einen bereinigten Gewinn von 9,05 Mrd. Dollar (CHF 7,5 Mrd.) aus, ein Allzeithoch und fast viermal so viel wie vor einem Jahr. Die Raffineriemarge des Konzerns stieg auf 50,30 Dollar (CHF 41) pro Fass, nach 29 Dollar (CHF 24) im zweiten Quartal.

Weltweit fehlen Millionen Fass Kapazität

Grund ist ein Angebotsschock. Nach Schätzungen des Analysehauses Enverus sind weltweit 7 bis 8 Mio. Fass pro Tag an Raffineriekapazität ausgefallen, wie Oilprice.com im September berichtete. Die Sperrung der Strasse von Hormus im Iran-Krieg und ukrainische Angriffe auf russische Anlagen haben die Lieferungen von Treibstoffen stark reduziert. Laut Exxon-Chef Woods ist rund die Hälfte der russischen Raffineriekapazität weiterhin ausser Betrieb. Er bezeichnete Diesel als den entscheidenden Engpass, weil er für das Wirtschaftswachstum so wichtig sei.

Die US-Raffinerien laufen deshalb fast am Anschlag. Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA lag ihre Auslastung von Mai bis September im Schnitt über 95 %, so hoch wie seit 1998 nicht mehr. Gleichzeitig ist die Kapazität in den USA seit 2019 um 4 % geschrumpft, weil Anlagen geschlossen oder umgebaut wurden.

Fünf Jahre Bauzeit sind zu viel Risiko

Neue Raffinerien plant trotzdem niemand. Eine neue Anlage braucht laut Branchenkennern rund fünf Jahre bis zur Inbetriebnahme. Bis dahin könnte die Nachfrage nach Treibstoffen stagnieren oder sinken. Niemand werde auf Grundlage von drei Monaten Rekordmargen eine Investition in Milliardenhöhe tätigen, sagte Robert Campbell vom Analysehaus Energy Aspects gegenüber Oilprice.com sinngemäss.

Die Konzerne setzen lieber auf kleinere Ausbauten. Exxon will die Produktion von Mitteldestillaten wie Diesel um etwa 100 000 Fass pro Tag erhöhen und dafür einige Milliarden Dollar investieren. Von den über 100 Mrd. Dollar (CHF 82 Mrd.), die der Konzern bis 2030 für Projekte vorsieht, entfallen rund 10 % auf das Raffineriegeschäft. Wann sich die Lage entspannt, ist offen: Woods sagte, eine Normalisierung könne bis weit ins Jahr 2027 dauern, möglicherweise auch länger.

Raffinerieaktien haben stark zugelegt

An der Börse ist der Boom längst angekommen. Die Aktien der US-Raffineriebetreiber Phillips 66, Valero und Marathon Petroleum hatten sich bis Mitte September seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt. Exxon und Chevron legten im gleichen Zeitraum je rund 40 % zu.

Quellen

  1. Exxon Warns Global Refining Crunch Could Persist Past 2027 as Diesel Squeeze Drives Record Profit (30.10.2026) – BigGo Finance
  2. EIA: U.S. refiners have run harder in 2026 as tight diesel supplies boost margins (23.10.2026) – Hydrocarbon Processing
  3. Why Oil Majors Don't Want to Build New U.S. Refineries (03.09.2026) – Oilprice.com
  4. Global Fuel Squeeze Triggers US Refiners Stocks Rally (14.09.2026) – Oilprice.com

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.