Rohstoffe

Russland verschifft Weizen über die Arktis: Murmansk ersetzt die blockierten Schwarzmeerhäfen

1. November 2026, 07:24 Uhr · 2 Min. Lesezeit · Redaktion TVinvestment

Weil Angriffe den Handel im Schwarzen Meer lähmen, exportiert Russland erstmals Getreide über den Arktishafen Murmansk. Der Umweg ist tausende Kilometer lang und verteuert die Ware für Käufer im Ausland.

Der weltgrösste Weizenexporteur sucht neue Wege. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am 28. Oktober berichtete, haben der Hafen Murmansk und der Getreidehändler Demetra Holding mit dem Verladen einer ersten Ladung von 3400 Tonnen begonnen. Laut Schiffsdaten und einer Marktquelle sollen dort zudem rund 28 000 Tonnen Weizen für Casablanca in Marokko an Bord gehen. Der Hafen liegt knapp 2000 Kilometer nördlich von Moskau nahe der norwegischen Grenze.

Lange Wege, höhere Kosten

Bisher lief der Grossteil der russischen Getreideausfuhren über Noworossijsk am Schwarzen Meer. Ukrainische Drohnenangriffe auf Häfen und Schiffe haben diese Route aber weitgehend lahmgelegt. Murmansk liegt rund 2700 Kilometer von Noworossijsk entfernt. Das Getreide muss also per Bahn aus den südlichen Anbaugebieten in den hohen Norden gebracht werden. Die Financial Times berichtet am 1. November, dass die Landwirte ihre Ware nun über weit entfernte Häfen ausführen und sich dadurch die Kosten für die Käufer im Ausland erhöhen.

Murmansk ist Russlands viertgrösster Hafen mit einer Umschlagkapazität von bis zu 24 Mio. Tonnen pro Jahr, hat aber bisher nie Getreide verladen. Dafür werden Anlagen umgebaut, die sonst für Kalidünger dienen. Auch an der Ostsee nutzen Firmen Dünger- und Kohleterminals neu für Getreide. Die baltischen Häfen wickelten im September 1,2 Mio. Tonnen ab, mehr als 60 % der russischen Getreideausfuhren auf dem Seeweg. Moskau sorgt sich dort allerdings um die Sicherheit, weil alle anderen Anrainer Nato-Mitglieder sind. Murmansk ist dagegen über neutrale Gewässer erreichbar.

Weizenpreis unter dem Sommerhoch

Schon im September hatten Analysten erwartet, dass sich die russischen Getreideexporte im dritten Quartal halbieren. Im Inland drückte das auf die Preise, unverkaufte Vorräte stauten sich. An der Terminbörse in Chicago kostete Weizen Ende Oktober rund 6,04 Dollar (CHF 4,98) je Scheffel. Ende August waren es noch rund 7,57 Dollar (CHF 6,24) gewesen. Das Schwarzmeer-Getreideabkommen, das 2022 unter Vermittlung der Türkei und der Uno zustande kam, hatte Russland 2023 verlassen. Eine Wiederbelebung lehnt der Kreml ab.

Quellen

  1. Russia forced to ship grain via Arctic as Black Sea battles rage (01.11.2026) – Financial Times
  2. Russia turns to Arctic WW2 route to export grain (28.10.2026) – Global Banking & Finance Review / Reuters
  3. Russia turns to Arctic port used by WWII convoys to export grain as Black Sea trade stalls (29.10.2026) – Hromadske / Reuters
  4. Russia's Arctic Port Murmansk to Use Fertilizer Equipment to Start Shipping Grain (22.09.2026) – gCaptain / Reuters

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.