Steinmeier in Peking: Deutschlands Defizit im China-Handel steuert auf 100 Mrd. Euro (CHF 92 Mrd.) zu
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei Xi Jinping auf einen Abbau des deutschen Handelsdefizits gedrängt. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft dürfte die Lücke 2026 erstmals über 100 Mrd. Euro (CHF 92 Mrd.) steigen.
Während seines Staatsbesuchs in China traf Frank-Walter Steinmeier am Freitag, 30. Oktober, Staats- und Parteichef Xi Jinping in der Grossen Halle des Volkes. Laut der Nachrichtenagentur QNA forderte Steinmeier, das deutsche Defizit im Handel mit China zu verringern und wirtschaftliche Differenzen im Dialog zu lösen. Bereits am Vortag hatte er in einer Rede an der Peking-Universität gewarnt, Europa dürfe nicht zulassen, dass seine industrielle Basis verloren gehe, wie das Handelsblatt berichtet.
Xi begrüsste Steinmeier als «alten Freund des chinesischen Volkes» und räumte «Differenzen und Probleme» ein, die aber lösbar seien. Gleichzeitig verlangte er, Deutschland solle chinesischen Firmen ein faires Geschäftsumfeld bieten. Als Felder für mehr Zusammenarbeit nannte er künstliche Intelligenz, grüne Technologien und die digitale Wirtschaft. Das Treffen mit Premier Li Qiang am Vormittag beschrieben Teilnehmer laut Handelsblatt als «robust».
Eine Lücke, die seit 2019 explodiert
Hinter den diplomatischen Formeln stehen harte Zahlen. 2025 importierte Deutschland laut Statistischem Bundesamt Waren für 170,6 Mrd. Euro (CHF 157 Mrd.) aus China, exportierte aber nur für 81,3 Mrd. Euro (CHF 75 Mrd.) dorthin. Das Defizit lag damit knapp unter 90 Mrd. Euro (CHF 83 Mrd.). Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet in einer Studie vom 15. Oktober damit, dass es 2026 erstmals die Marke von 100 Mrd. Euro übersteigt. Seit 2019 hätte es sich damit mehr als versiebenfacht.
Den grössten Anteil am Anstieg hat laut IW die Autoindustrie. 2019 erzielte Deutschland im Autohandel mit China noch einen Überschuss von rund 23 Mrd. Euro (CHF 21 Mrd.), dieser dürfte heuer fast verschwinden. Die Einfuhren chinesischer Autos und Autoteile sind seit 2019 schätzungsweise um mehr als 475 % gestiegen. Auch im Maschinenbau kippt ein Überschuss von fast 10 Mrd. Euro in ein leichtes Defizit. Energieintensive Branchen wie Chemie oder Glas tragen dagegen nur wenig zum Anstieg bei. Der Industrieverband BDI warnt laut Handelsblatt vor dem Verlust von rund 15 000 Arbeitsplätzen pro Monat.
Europa sucht schärfere Instrumente
Das Problem betrifft die ganze EU. Laut Handelskommissar Maroš Šefčovič betrug ihr Defizit mit China allein im ersten Halbjahr 2026 fast 197 Mrd. Euro (CHF 181 Mrd.). Deutschland und Frankreich schlagen laut QNA Schritte vor, um die wirtschaftlichen Interessen der EU zu schützen. Steinmeier selbst sprach sich für eine Neuausrichtung der europäischen Handelsinstrumente aus, ohne den Austausch mit China abzuwürgen. Peking hatte Kritik am eigenen Überschuss bisher stets zurückgewiesen.
Quellen
- Steinmeier in Peking: „Nicht zulassen, dass die industrielle Basis verloren geht“ (30.10.2026) – Handelsblatt
- Xi urges closer China-Germany ties amid growing EU trade tensions (31.10.2026) – Gulf Times / QNA
- China-Handel: Defizit erstmals über 100 Milliarden Euro (15.10.2026) – Institut der deutschen Wirtschaft
- Steinmeier in China: Appell zu Selbstbewusstsein und Warnung vor Handelsungleichgewicht (27.10.2026) – Produktion
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.