Türkei: Früherer Börsenchef in Haft, Minister spricht von kriminellem Netzwerk, BIST 100 fiel um 25 %
Der frühere Chef der Borsa Istanbul, Korkmaz Enes Ergun, sitzt wegen Bestechungsvorwürfen in Untersuchungshaft. Im Skandal um 131 Investmentfonds zählt die Justiz inzwischen 433 Beschuldigte. Der türkische Aktienmarkt hat seit September rund ein Viertel verloren.
Ein Istanbuler Gericht hat Korkmaz Enes Ergun in Untersuchungshaft genommen. Das berichteten Bloomberg HT und Türkiye Today. Der ehemalige Generaldirektor der Borsa Istanbul war am 31. Oktober festgenommen worden. Die Vorwürfe lauten auf Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation und Bestechung. Ergun gilt bis zu einem Urteil als unschuldig, die Ermittlungen laufen weiter. Als kommissarischer Chef amtet seit dem 1. November sein bisheriger Stellvertreter Atila Türeli.
433 Beschuldigte, 112 in Haft
Justizminister Akın Gürlek sprach am 3. November von einem umfassenden kriminellen Netzwerk, das bis in hohe Ränge der Finanzbürokratie reiche. Ein Bestechungsnetz habe die Aufsicht wirkungslos gemacht, sagte er laut Hürriyet Daily News. Das Netz habe versucht, den Markt durch die Manipulation einzelner Aktien zu beherrschen. Nach seinen Angaben gibt es 433 Beschuldigte, 112 sitzen in Untersuchungshaft, 38 sind flüchtig. Vermögen von 359 Personen und 111 Firmen wurde gesperrt.
Haftbefehle ergingen zuletzt auch gegen sechs weitere Personen, darunter ein früherer Vizepräsident der Kapitalmarktaufsicht SPK und ein Abteilungsleiter der Bankenaufsicht BDDK. Rund 30 Mrd. Lira (CHF 492 Mio.) in Geld, Immobilien und Aktien sind laut Gürlek bisher freiwillig zurückgegeben worden. Sie sollen der Entschädigung der Anleger dienen.
Börsenwert schrumpft um ein Drittel
Begonnen hatte die Krise Mitte September, als mehrere Fonds Rückgabewünsche nicht mehr bedienen konnten. Die SPK ordnete danach die Liquidation von 131 Fonds aus sieben Gesellschaften an. Betroffen sind rund 455 000 Kleinanleger, das Vermögen wurde damals auf 19,1 Mrd. Dollar (CHF 15,7 Mrd.) geschätzt. Staatsanwälte prüfen den Verdacht, die Fonds hätten wenig gehandelte Aktien gekauft, um deren Kurse künstlich zu treiben.
Der Leitindex BIST 100 schloss am 30. Oktober bei 10 759,56 Punkten, 25,63 % unter dem Stand vom 11. September. Der Börsenwert der kotierten Firmen sank zwischen dem 15. September und dem 30. Oktober von 20,03 Billionen Lira (CHF 328 Mrd.) auf 13,63 Billionen Lira (CHF 223 Mrd.). Die Kursverluste griffen auch auf Supermärkte, Airlines und Industriewerte über. Am Dienstagmittag lag der Index bei rund 10 980 Punkten. Der Kommentator Necmettin Batırel warnte laut Handelsblatt, die Ermittlungen könnten das Vertrauen der Anleger erschüttern und Kapitalabflüsse auslösen.
Eine volle Entschädigung ist nicht garantiert. Ein Ende Oktober beschlossenes Gesetz regelt die Abwicklung und gestaffelte Rückzahlungen. Vizepräsident Cevdet Yılmaz schloss aus, private Verluste mit Staatsgeld zu decken.
Quellen
- Türkischer Börsenchef in Haft – Finanzskandal weitet sich aus (03.11.2026) – Handelsblatt
- Eski Borsa İstanbul Genel Müdürü Ergun tutuklandı (03.11.2026) – Bloomberg HT
- Türkiye arrests ex-Borsa Istanbul chief in fund scandal, custody toll hits 112 (03.11.2026) – Türkiye Today
- Türkiye fund crisis tied to extensive criminal network, justice minister says (03.11.2026) – Hürriyet Daily News
- Turkish stocks lose a quarter of their value in 7 weeks as fund crisis deepens (03.11.2026) – Yerepouni News
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.