Ermotti stellt Schweizer Sitz der UBS offen infrage, Nationalratskommission tritt auf Kapitalvorlage ein
UBS-Chef Sergio Ermotti hat am Mittwoch so deutlich wie noch nie angedeutet, dass die Bank wegen strengerer Kapitalregeln ihren Standort überdenkt. Gleichzeitig ist die Wirtschaftskommission des Nationalrats auf die Vorlage eingetreten. Die Detailberatung folgt im November.
In der Telefonkonferenz mit Analysten zu den Quartalszahlen sagte Ermotti laut der Nachrichtenagentur Bloomberg, die Bank prüfe die langfristigen Folgen für ihre Wettbewerbsfähigkeit, wenn sie von der Schweiz aus tätig sei. Die Kundschaft schätze die Schweiz, ein Schweizer Pass allein genüge heute aber nicht mehr. Bloomberg und das Wall Street Journal werten dies als bisher deutlichstes Signal für einen möglichen Wegzug. Konkrete Schritte nannte Ermotti nicht. Laut dem Portal finews wollte er sich nicht dazu äussern, welche Konsequenzen die Bank aus einer ungünstigen Regulierung ziehen würde.
Im November 2025 hatte Ermotti noch betont, die UBS wolle eine Schweizer Bank sein. Spekulationen über einen Wegzug hatte er wiederholt zurückgewiesen. Inzwischen drängen Grossaktionäre wie Cevian und Artisan Partners den Verwaltungsrat laut Bloomberg, einen Umzug zu prüfen.
Streit um die Auslandstöchter
Im Kern geht es um die Frage, wie stark die UBS ihre ausländischen Tochtergesellschaften mit eigenem Kapital unterlegen muss. Heute sind es 45 % hartes Kernkapital und zusätzlich 17 % in sogenannten AT1-Anleihen, also Wandelanleihen, die in einer Krise Verluste tragen. Der Bundesrat will mit Unterstützung von Nationalbank und Finma eine volle Unterlegung mit hartem Kernkapital. Der Ständerat hat im September 90 % beschlossen. Die UBS hatte eine Mischung aus 50 % Kernkapital und 50 % AT1-Anleihen vorgeschlagen. Ermotti nannte den Entscheid des Ständerats in der Telefonkonferenz «sehr beunruhigend». Man stehe erneut an einem kritischen Punkt wie im März 2023, als die Credit Suisse gerettet wurde.
Kommission berät im November im Detail
Die Wirtschafts- und Abgabenkommission des Nationalrats (WAK-N) hatte Ermotti und Vizepräsident Markus Ronner am Montag hinter verschlossenen Türen angehört. Zu Wort kamen auch Finanzministerin Karin Keller-Sutter, Vertreter von Nationalbank, Finma und Bankiervereinigung. Am Mittwoch teilte sie mit, das Eintreten auf die Vorlage sei unbestritten gewesen. Einige Mitglieder warnen, zu strenge Regeln würden die Wettbewerbsfähigkeit der UBS schwächen und die Kosten für Kunden erhöhen. Andere sehen im Entwurf des Bundesrats bereits einen Kompromiss. Die Detailberatung ist für den 23. und 24. November angesetzt, der Nationalrat dürfte das Geschäft in der Wintersession behandeln.
Die UBS-Aktie stand nach den Quartalszahlen unter Druck. Am Morgen fiel sie zeitweise um 2,6 % auf CHF 37,83. Gegen 13.15 Uhr notierte sie mit CHF 38,44 noch rund 1 % im Minus. Die Bank hatte erstmals seit zehn Quartalen beim bereinigten Vorsteuergewinn die Konsensschätzung leicht verfehlt, wie die Bank Vontobel festhielt.
Quellen
- So deutlich wie noch nie: Ermotti droht nach Treffen mit Wirtschaftskommission mit Wegzug der UBS (28.10.2026) – cash.ch / Bloomberg
- Sergio Ermotti: "The interests of our stakeholders have top priority" (28.10.2026) – finews.com
- Teil der Nationalratskommission zur UBS-Kapitaldebatte: «Zu strenge Regelung würde Kosten für Kunden in die Höhe treiben» (28.10.2026) – cash.ch / AWP
- Differing Views on UBS's Capital Requirements (28.10.2026) – bluewin.ch / Keystone-SDA
- UBS-Investoren nach Drittquartalszahlen auf dem Rückzug (28.10.2026) – cash.ch
- Sergio Ermotti hofft weiter auf Kompromiss beim Eigenkapital (20.11.2025) – finews.ch
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.