Übergewinnsteuer: Ölkonzerne verdienen prächtig, doch in der Schweiz hat die Abgabe kaum Chancen
Der Iran-Krieg treibt die Gewinne von Ölkonzernen und Rohstoffhändlern nach oben. Polen schöpft seit dem 1. November einen Teil ab, die EU verzichtet auf eine gemeinsame Regel. In der Schweiz deutet laut SRF wenig auf eine Sondersteuer hin, obwohl Public Eye sie fordert.
Die jüngsten Quartalszahlen der grossen Ölkonzerne fallen deutlich aus. Laut einer Zusammenstellung von SRF lag der Gewinn von Shell um 99 % über dem Vorjahresquartal, bei Exxon Mobil um 117 %, bei TotalEnergies um 128 %, bei Chevron um 186 % und bei BP um 283 %. Auch der Rohstoffkonzern Glencore aus Baar profitiert: Im ersten Halbjahr stieg der bereinigte Betriebsgewinn im Handelsgeschäft um 142 % auf 3,3 Mrd. Dollar (CHF 2,7 Mrd.). Das Unternehmen selbst nannte die gestörten Energie- und Frachtmärkte als Grund.
Die Organisation Public Eye verlangt deshalb eine Übergewinnsteuer in der Schweiz. Ihr Rohstoffexperte Manuel Abebe sagte gegenüber SRF, dem Land fehle es nur am Mut dazu. Nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs stiegen die Gewinne von Vitol, Trafigura, Glencore, Mercuria und Gunvor laut Public Eye um bis zu 864 %.
Rechtlich heikel, politisch ohne Mehrheit
Die Berner Rechtsprofessorin Andrea Opel hält eine solche Steuer für juristisch schwierig. Es sei offen, welche Firmen darunterfielen und wie ein Übergewinn zu messen wäre, denn auch gute Geschäftsentscheide führten zu hohen Gewinnen. Ein 2022 im Nationalrat eingereichter Vorstoss von Balthasar Glättli (Grüne) für eine solche Abgabe wurde abgelehnt. Anzeichen für einen neuen Anlauf mit Erfolgsaussichten sieht SRF derzeit nicht.
Europa geht getrennte Wege
In der EU ist die Lage ebenfalls offen. 2022 mussten Firmen einen Solidaritätsbeitrag von 33 % auf jene Gewinne der Jahre 2022 und 2023 zahlen, die den Durchschnitt der vier Vorjahre um mehr als 20 % überstiegen. Ende August forderten die Finanzminister Deutschlands, Portugals, Spaniens, Österreichs, Italiens und Polens eine neue Regel. EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis lehnte beim Treffen in Dublin im September einen gemeinsamen Vorschlag vorerst ab. Die Staaten könnten eine solche Steuer aber selbst einführen.
Polen tat dies. Präsident Karol Nawrocki unterzeichnete das Gesetz am 1. Oktober. Es sieht laut Medienberichten einen Satz von 60 % vor und gilt seit dem 1. November, wobei die Berichte die Bemessung auf Einnahmen beziehen, die den Vorjahresdurchschnitt um mindestens 20 % übersteigen. Das Geld soll die Benzinpreise senken.
Der Anlass könnte sich zudem abschwächen. Brent fiel am Mittwoch nach dem Wahlausgang in den USA unter 95 Dollar (CHF 78) je Fass und damit auf den tiefsten Stand seit fast zwei Monaten.
Quellen
- Sprudelnde Einnahmen, doch Übergewinnsteuer hat schweren Stand (04.11.2026) – SRF
- 2026 Half-Year Report (05.08.2026) – Glencore
- Übergewinnsteuer: EU-Kommission bremst Forderungen (18.09.2026) – trend.at
- Poland enacts windfall tax on energy firms (02.10.2026) – Regfollower
- Energy companies in Poland face 60% windfall tax (02.10.2026) – oEnergetice
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.