USA: Schuldenobergrenze könnte schon im Frühling 2027 greifen, Wall Street rechnet mit hartem Streit
Den USA fehlen nur noch rund 800 Mrd. Dollar (CHF 660 Mrd.) bis zur Schuldenobergrenze. Nach dem Sieg der Demokraten bei den Midterms warnen Strategen vor einem zähen Kräftemessen, das Geld- und Anleihemärkte 2027 belasten könnte.
Die Wahlschlappe der Republikaner rückt ein altes Streitthema in den Vordergrund: die gesetzliche Schuldenobergrenze der USA. Sie liegt bei 41 100 Mrd. Dollar (CHF 33 700 Mrd.). Laut einem Bericht von Bloomberg vom 6. November liegt die Verschuldung nur noch rund 800 Mrd. Dollar (CHF 660 Mrd.) darunter. Die Gesamtschuld hatte im August erstmals die Marke von 40 000 Mrd. Dollar (CHF 32 800 Mrd.) übersprungen.
Februar oder zweites Quartal
Wann die Grenze erreicht wird, ist umstritten. Laut Bloomberg rechnen Wall-Street-Strategen damit, dass das Finanzministerium schon ab Februar zu sogenannten ausserordentlichen Massnahmen greifen muss. Das sind Buchungstricks, mit denen der Staat vorübergehend weiter Geld aufnehmen kann, ohne die Grenze formell zu überschreiten. George Saravelos von der Deutschen Bank erwartet, dass die Grenze im zweiten Quartal 2027 bindend wird. Den eigentlichen Engpass, das sogenannte X-Datum, an dem Kasse und Spielraum aufgebraucht sind, sehen die Strategen erst gegen Ende 2027.
Saravelos bezeichnete die Schuldenobergrenze laut Bloomberg als grösste verbleibende Quelle politischer Unsicherheit in den USA. Michael Cloherty von CIBC erwartet, dass die Republikaner die Grenze noch vor dem Machtwechsel im Januar anheben wollen, damit aber scheitern. Er rechnet mit heftigen Auseinandersetzungen ab dem vierten Quartal 2027. Auch Dustin Reid von Mackenzie Financial bezweifelte gegenüber Reuters, dass eine Anhebung in der Übergangszeit gelingt.
Was die Märkte fürchten
Vail Hartman von BMO Capital Markets warnte laut Reuters vor einem langwierigen Streit im Jahr 2027. Möglich seien Herabstufungen der Kreditwürdigkeit, Preisverzerrungen bei kurzfristigen Staatspapieren (T-Bills) rund um das X-Datum und Schwankungen am Geld- und Repomarkt. Bei früheren Machtproben hatten Anleger T-Bills mit Fälligkeit um das X-Datum gemieden. Derzeit zeigt die Zinskurve dieser Papiere laut Bloomberg noch kaum Sorgen.
Die Ratingagentur Fitch hatte bereits im Oktober vor mehr Machtpoker durch einen demokratisch kontrollierten Kongress gewarnt. Sie hatte die USA im August 2023 nach einem Streit um die Schuldengrenze auf AA+ herabgestuft. Michael Reynolds von Glenmede hält einen Zahlungsausfall laut Reuters für sehr unwahrscheinlich, die Märkte würden aber nervöser, je länger der Poker dauere. Kurzfristig steht zudem der 11. Dezember an: Dann läuft die Übergangsfinanzierung des Bundes aus.
Defizit bleibt hoch
Das US-Haushaltsdefizit liegt bei rund 6 % der Wirtschaftsleistung. Die Ratingagentur Moody's erwartet laut Reuters keine grundlegende Änderung des Schuldenpfads, da Pflichtausgaben, Demografie und Zinskosten die Haupttreiber bleiben. George Brown von Schroders gibt zu bedenken, dass Anleger für lange Laufzeiten einen höheren Aufschlag verlangen könnten, wenn Kompromisse zu noch grösseren Defiziten führen. Historisch war eine geteilte Regierung laut Bloomberg-Daten aber oft günstig für US-Staatsanleihen.
Quellen
- Wall Street girding for US debt ceiling showdown (06.11.2026) – The Star / Bloomberg
- Investors eye risk of debt-ceiling standoff after Democratic sweep (05.11.2026) – Reuters / Yahoo Finance
- Wall Street Braces for 2027 Debt-Limit Showdown as Democrats Take Congress and Borrowing Nears $41.1 Trillion Cap (04.11.2026) – The Private Banker
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.