Unternehmen

Wall-Street-Kanzlei Weil Gotshal gibt nach 95 Jahren auf: Grösster Kanzlei-Kollaps der Neuzeit droht

1. November 2026, 13:25 Uhr · 2 Min. Lesezeit · Redaktion TVinvestment

Die New Yorker Anwaltskanzlei Weil, Gotshal & Manges will sich geordnet auflösen. Nach dem Abgang von über 30 Partnern und geplatzten Fusionsgesprächen sieht die Führung keinen anderen Weg. Betroffen sind rund 1200 Anwälte, auch in Frankfurt und München.

Die Geschäftsleitung von Weil, Gotshal & Manges hat den Partnern am Mittwoch, 28. Oktober, eine «geordnete Abwicklung» empfohlen. Laut der Kanzlei ging dem Entscheid eine sorgfältige Prüfung strategischer Alternativen voraus. Die Partner müssen dem Plan noch formell zustimmen, die Abstimmung soll in den kommenden Tagen stattfinden. Die Financial Times berichtete am Sonntag, die Kanzlei stelle nach 95 Jahren den Betrieb ein.

Weil gehört zu den grossen Namen der Wall Street. Die Kanzlei beschäftigt rund 1200 Anwälte in 16 Büros in den USA, Europa und Asien und erzielte im vergangenen Jahr laut Reuters einen Umsatz von mehr als 2 Mrd. Dollar (CHF 1,65 Mrd.). Bekannt wurde sie mit Konkursverfahren: Sie betreute unter anderem die Fälle Enron, WorldCom, General Motors und Lehman Brothers. Zu den aktuellen oder früheren Mandanten zählen laut Reuters Apple, Goldman Sachs und Dow Chemical.

Partner liefen in Scharen davon

Auslöser war ein Exodus von Spitzenanwälten. Im September wechselte der Chef der Unternehmensabteilung, der M&A-Anwalt Michael Aiello, mit fünf weiteren Partnern zu Cravath, Swaine & Moore. Weitere Partner gingen zu Paul Weiss, Sullivan & Cromwell, Sidley Austin, Simpson Thacher und Davis Polk. Reuters zählt in diesem Jahr mehr als 30 Abgänge auf Partnerstufe. Hintergrund ist ein harter Wettbewerb um Talente: Konkurrenten locken umsatzstarke Anwälte mit hohen Vergütungspaketen. Der Gewinn je Equity-Partner lag bei Weil zuletzt bei rund 5,4 Mio. Dollar (CHF 4,5 Mio.), bei Kirkland & Ellis oder Wachtell Lipton dagegen bei über 10 Mio. Dollar (CHF 8,2 Mio.).

Hinzu kamen Führungsprobleme. Die als Nachfolgerin des langjährigen Chefs Barry Wolf vorgesehene Private-Equity-Partnerin Ramona Nee verzichtete auf das Amt. Gespräche über eine Fusion mit Willkie Farr & Gallagher scheiterten am 22. Oktober. Zusammen wären die beiden Kanzleien laut Bloomberg Law auf über 4 Mrd. Dollar (CHF 3,3 Mrd.) Jahresumsatz gekommen.

Abwicklung ohne Konkursverfahren

Weil will die Auflösung ausserhalb eines Gerichtsverfahrens abwickeln und hat dafür das Beratungsunternehmen AlixPartners beigezogen. Laut Rechtsexperten, die Reuters zitiert, ist ein Konkurs nicht nötig, solange die Kanzlei ihre Verpflichtungen gegenüber Angestellten, Vermietern und Kreditgebern erfüllen kann. Associates und Mitarbeitende erhalten noch 90 Tage Lohn sowie Ende 2026 ihre Boni. Das Londoner Büro mit rund 200 Anwälten soll laut dem Branchendienst Non-Billable per 31. Dezember schliessen.

Gelingt die Auflösung wie geplant, wäre es der grösste Zusammenbruch einer Anwaltskanzlei der Neuzeit, noch vor Dewey & LeBoeuf im Jahr 2012. Auch im deutschsprachigen Raum hat der Schritt Folgen: Weil ist mit Büros in Frankfurt und München vertreten und hatte dort seit Ende 2025 elf Partner neu geholt. Laut dem Fachportal Leaders League könnten die deutschen Teams geschlossen zu einer anderen Kanzlei wechseln, ein Ziel stand Ende Oktober aber noch nicht fest.

Quellen

  1. Weil Gotshal law firm plans to dissolve, capping dizzying fall (28.10.2026) – Reuters
  2. Explainer: What's next for law firm Weil Gotshal as it plans dissolution (29.10.2026) – Reuters
  3. Weil Gotshal and Willkie Farr Call Off Merger Discussions (23.10.2026) – Bloomberg Law
  4. Weil set to dissolve as leadership recommends wind-down (28.10.2026) – Non-Billable
  5. Weil's Planned Wind-Down Puts Germany's Private Equity Market at a Crossroads (29.10.2026) – Leaders League

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.