🌍 Wirtschaft & Notenbanken

Window Guidance

Auch gesucht als: Fensteranleitung, informelle Lenkung China, Moral Suasion, Kreditlenkung, Schalterlenkung

🇬🇧 Englisch
window guidance
🇫🇷 Französisch
orientation informelle du crédit (window guidance)
🇮🇹 Italienisch
orientamento informale del credito (window guidance)
Kurz erklärt

Window Guidance bezeichnet informelle Vorgaben, mit denen eine Notenbank oder Aufsichtsbehörde Banken direkt anweist, wie viel Kredit sie vergeben oder wie sie sich am Markt verhalten sollen – ohne formelle Gesetze oder Zinsentscheide.

Der Begriff stammt aus Japan, wo die Notenbank in der Nachkriegszeit den Banken am «Schalter» Kreditquoten mitteilte. Heute wird er vor allem mit China verbunden. Die People's Bank of China und die Aufsichtsbehörden geben den Banken mündlich oder in Sitzungen vor, welche Branchen sie bevorzugt finanzieren sollen, etwa kleine Firmen oder Technologie, und wo sie bremsen sollen, etwa bei Immobilienentwicklern. Auch Fondsgesellschaften und Börsenteilnehmer erhalten teils solche Hinweise.

Für Beobachter von aussen ist Window Guidance schwer zu erfassen, weil die Vorgaben meist nicht veröffentlicht werden. Sie kann trotzdem stark wirken: Kreditvolumen, Devisenkurse oder Aktienkäufe staatlicher Investoren ändern sich teils abrupt. Anleger, die in chinesische Märkte investieren, müssen darum neben offiziellen Zinsentscheiden auch Medienberichte über informelle Anweisungen beachten. In westlichen Ländern spricht man bei ähnlichem Vorgehen von «Moral Suasion», also moralischem Druck.

Allgemeine Erklärung, keine Anlageberatung.