Schweiz

Cremo schreibt seit Jahren Verluste: Warum die Krise die ganze Schweizer Milchbranche betrifft

7. November 2026, 16:25 Uhr · 2 Min. Lesezeit · Redaktion TVinvestment

Der Freiburger Milchverarbeiter Cremo hat in vier Jahren über 75 Mio. Franken verloren. Weil er überschüssige Milch zu Butter und Pulver verarbeitet, hängt an seiner Sanierung ein grosser Teil des Schweizer Milchmarkts.

Cremo mit Sitz in Villars-sur-Glâne FR ist nach Emmi der zweitgrösste Milchverarbeiter der Schweiz. Das Unternehmen verarbeitet laut SRF täglich rund eine Million Liter Milch zu Trinkmilch, Rahm, Butter, Käse und Milchpulver. Im Geschäftsjahr 2025 waren es 333 Mio. Kilogramm, 10 % mehr als budgetiert. Rund 1100 Milchproduzenten liefern ihre Milch an Cremo.

Sechstes Verlustjahr in Folge

Laut der Jahresmitteilung vom 21. Mai sank der Umsatz 2025 um 6,1 % auf 473,6 Mio. Franken. Der Nettoverlust betrug 17,1 Mio. Franken nach 16,9 Mio. im Vorjahr. Der Cashflow brach von 20,5 Mio. auf 0,2 Mio. Franken ein. Abgefedert wurde das Ergebnis nur durch Wechselkursgewinne und den Verkauf des Standorts Lucens VD. Nach Angaben von SRF summieren sich die Verluste der letzten vier Jahre auf über 75 Mio. Franken.

Als Gründe nennt Cremo einen Brand und mehrere technische Störungen, die zu Lieferausfällen führten. Hinzu kommen zu hohe Betriebskosten: alternde Anlagen, teurere Transporte und Versicherungen sowie ein nach eigenen Worten unzureichend gesteuerter Personalausbau. Grundsätzlich drücken Überproduktion, harter Wettbewerb und tiefe Margen bei Milchpulver und Butter seit Jahren auf das Geschäft.

Ein Ventil für den Milchmarkt

Die Bedeutung von Cremo geht über das Unternehmen hinaus. Dank seiner grossen Anlagen kann es erhebliche Mengen überschüssiger Milch zu Butter oder Pulver verwerten. Cremo trage wesentlich dazu bei, den Schweizer Milchmarkt im Gleichgewicht zu halten, sagte Hansjürg Jäger, Dozent für Agrarmärkte an der Berner Fachhochschule, gegenüber SRF. Noch deutlicher wurde im Juni Michel Bonjean, Präsident des Walliser Milchverbands: Falle Cremo, falle die Schweizer Milchindustrie, sagte er laut RSI.

Für grosse Lieferanten wäre ein Wechsel schwierig. Bruno Stirnimann, der in Posieux FR rund 380 Kühe hält, sagte SRF, er könnte kurzfristig kaum einen anderen Abnehmer finden. Er zeigt sich aber zuversichtlich, dass die Neuausrichtung greift.

Neue Führung, neue Strategie

Im Herbst 2025 wurde die Geschäftsleitung erneuert, danach der Verwaltungsrat unter Präsident Georges Godel umgebaut. Die neue Strategie setzt auf die Kernaktivitäten, mehr Kundennähe und tiefere Kosten. Unrentable Standorte wurden bereits geschlossen und Teile der Logistik ausgelagert. Laut Cremo wurden die Ziele für das erste Quartal 2026 erreicht. Die Rückkehr in die Gewinnzone ist für 2027 angepeilt. Ob die Wende gelingt, ist offen.

Quellen

  1. Schweizer Milchindustrie – Cremo in der Krise – ein Problem für die ganze Milchbranche (07.11.2026) – SRF
  2. Medienmitteilung Ergebnisse 2025 (21.05.2026) – Cremo SA
  3. Toujours dans le rouge, Cremo n'a pas atteint ses objectifs en 2025 (21.05.2026) – La Télé
  4. La crisi di Cremo e il rischio per l'industria lattiera (16.06.2026) – RSI

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.