EU-Autopaket: Zulieferer fürchten den Kompromiss von Paris und Berlin, die Schweiz bleibt wohl aussen vor
Europas Autozulieferer machen gegen den deutsch-französischen Kompromiss zum EU-Autopaket mobil. Sie sehen die Hersteller bevorzugt und fürchten weitere Stellenabbau-Runden. Für Schweizer Zulieferer ist die Frage, ob sie als «europäisch» gelten, noch offen.
Die französische Zulieferbranche schlägt Alarm. Wie Le Monde am 7. November berichtete, kritisiert sie den Kompromiss zwischen Frankreich und Deutschland als zu günstig für die Autohersteller. Die Branche befürchtet, dass sich Stellenabbau und Werkschliessungen beschleunigen. Bis zur Debatte im Europäischen Parlament Mitte Dezember wollen alle Seiten noch Einfluss nehmen.
Was Paris und Berlin vereinbart haben
Die beiden Länder hatten sich Mitte Oktober auf eine gemeinsame Linie zum EU-Autopaket und zum Industrial Accelerator Act geeinigt, dem geplanten Gesetz zur Stärkung der Industrie in Europa. Beim CO2 halten sie zwar an einer Reduktion der Flottenemissionen um 90 % bis 2035 fest. Laut dem Fachmedium Journal de l'Automobile verzichten sie aber auf die Ausgleichsmechanismen, welche die EU-Kommission an dieses Ziel knüpfen wollte. Zudem sollen die Hersteller die Vorgaben über die Jahre 2030 und 2031 glätten dürfen, Plug-in-Hybride mit grosser elektrischer Reichweite bleiben bis 2030 begünstigt.
Kernstück für die Zulieferer ist die Regel «Made in Europe». Ein Auto soll in Europa endmontiert werden, und mindestens 70 % der Wertschöpfung bei den Komponenten ohne Batterie sollen aus Europa stammen. Mindestens die Hälfte des elektrischen Antriebsstrangs und der wichtigsten Elektroniksysteme muss in der EU gefertigt werden. Nur solche Fahrzeuge kämen in den Genuss von Kaufprämien und öffentlichen Aufträgen.
Jeder Prozentpunkt kostet Stellen
Der europäische Zuliefererverband CLEPA, der über 3000 Firmen vertritt, nannte die 70 % am 16. Oktober eine brauchbare Basis. Weil die Hersteller bis zu fünf Prozentpunkte mit eigenen Kosten, etwa für Forschung, anrechnen dürfen, sinke die tatsächliche Schwelle aber auf 65 %. Jeder Prozentpunkt weniger koste bis zu 15 000 hoch qualifizierte Stellen, insgesamt seien mindestens 150 000 Arbeitsplätze gefährdet, so CLEPA. Valeo-Chef Christophe Périllat beziffert den heutigen europäischen Anteil bei den Komponenten laut dem Journal de l'Automobile auf 75 %. Kleinere Zulieferer der zweiten und dritten Reihe sind laut dem Fachmedium kaum geschützt, weil die grossen Zulieferer nicht in Europa einkaufen müssen.
Auch die Umweltorganisation Transport & Environment kritisiert den Deal als «historischen Fehler», allerdings aus anderen Gründen: Der erwartete Anteil von Elektroautos an den Neuwagen 2030 sinke von 57 % auf 43 %.
Schweizer Zulieferer in der Grauzone
Für die Schweiz ist offen, ob sie zum «europäischen» Raum zählt. Laut einem Bericht von Plattform J vom 16. Oktober signalisierte ein Diplomat zunächst, die Schweiz könnte wegen der bilateralen Abkommen unter strengen Bedingungen mitgezählt werden. Später hiess es, nur Grossbritannien und die EWR-Staaten würden als europäisch gelten. Da das Papier zur Herkunft der übrigen 30 % der Wertschöpfung nichts festlegt, könnten Schweizer Zulieferer weiterhin in die EU liefern. Die Branche ist für die Schweiz bedeutend: Laut Swissmem zählt sie 578 Firmen mit 32 000 Beschäftigten und CHF 13 Mrd. Umsatz, deutsche Hersteller sind die wichtigsten Kunden.
Quellen
- Franco-German agreement points the way: technology openness and European value creation must now go hand in hand (16.10.2026) – CLEPA
- Industrie automobile : qui sont les gagnants et les perdants de l'accord franco-allemand (16.10.2026) – Le Journal de l'Automobile
- Industry reacts as France and Germany agree automotive deal (21.10.2026) – Automotive Logistics
- Unklarheit über «Made in Europe» (16.10.2026) – Plattform J
- Zahlen und Fakten zur Schweizer Automobilzulieferindustrie (05.04.2024) – Swissmem
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.