Technologie

EU greift TikToks Empfehlungsalgorithmus an: Strafe von bis zu 6 % des Weltumsatzes möglich

6. November 2026, 13:25 Uhr · 2 Min. Lesezeit · Redaktion TVinvestment

Die EU-Kommission wirft TikTok vor, Nutzer mit dem «Für Dich»-Feed in schädliche Inhaltsschleifen zu ziehen. Der Befund ist vorläufig, trifft aber das Geschäftsmodell der Plattform. Nach Kenntnis der Kommission ist es weltweit das erste Vorgehen dieser Art.

Die Kommission hat am 6. November vorläufige Ergebnisse ihrer Untersuchung nach dem Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act, DSA) vorgelegt. Im Kern geht es um den sogenannten Rabbit-Hole-Effekt, also das Versinken in immer ähnlichen Inhalten. Der Algorithmus wertet Verweildauer und Likes als Interesse und spielt daraufhin mehr vom Gleichen aus, auch zu Traurigkeit, Isolation, Gewicht und Körperbild. Das könne psychische Probleme verstärken.

TikTok habe dieses Risiko nicht ausreichend analysiert und eingedämmt, heisst es aus Brüssel. Bestehende Werkzeuge wie die Schaltfläche «Nicht interessiert» seien wirkungslos. Die Ermittler analysierten laut dem Fachportal The Record rund 20 000 Videos mit Psychologen, Psychiatern und Systemexperten und werteten interne Dokumente des Konzerns aus. Bemerkenswert: Es geht um Inhalte, die weder gegen Gesetze noch gegen TikToks eigene Regeln verstossen.

Was Brüssel verlangt

Die Kommission will, dass TikTok den Feed umbaut. Empfehlungen sollen sich stärker an dem orientieren, was Nutzer ausdrücklich wünschen, und nicht mehr an der Verweildauer. Die Einstellungen müssen leichter zugänglich sein, der Algorithmus soll regelmässig getestet werden. Die für Technologie zuständige Exekutiv-Vizepräsidentin Henna Virkkunen sagte sinngemäss, der Algorithmus liefere immer mehr vom Gleichen und führe Nutzer in Schleifen, aus denen sie kaum herausfänden.

Bestätigt sich der Vorwurf, droht eine Busse von bis zu 6 % des weltweiten Jahresumsatzes. TikTok und die chinesische Mutter ByteDance veröffentlichen diese Zahl nicht, der mögliche Betrag lässt sich also nicht beziffern. TikTok kann die Beweise einsehen und Stellung nehmen, ein Endentscheid steht aus. Eine Reaktion des Konzerns lag zunächst nicht vor. Vorwürfe vom Februar zum süchtig machenden Design hatte TikTok als kategorisch falsch zurückgewiesen.

Auch Meta steht im Visier

Laut Agenturberichten untersucht die Kommission ähnliche Effekte bereits bei Facebook und Instagram von Meta. Zudem hat sie im September einen Gesetzesvorschlag eingebracht, den KIDS Act, der Plattformen verbieten soll, Empfehlungen für Kinder allein auf Interaktionsdaten zu stützen. Der TikTok-Fall hat diese Bestimmung nach Angaben der Beamten mitgeprägt.

Quellen

  1. EU accuses TikTok of trapping users in harmful 'rabbit holes' (06.11.2026) – The Record
  2. EU says 'rabbit hole' video feeds on TikTok violate its digital rules (06.11.2026) – Associated Press / News4Jax
  3. EU: Tiktok droht Strafe wegen Gefährdung mentaler Gesundheit (06.11.2026) – Handelsblatt
  4. EU Charges TikTok: Algorithmic 'Rabbit Hole' Risks Under Scrutiny (06.11.2026) – Global Banking & Finance Review

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.