Studie zu US-Medikamentenpreisen: Schweizer Prämienzahler könnten Hunderte Millionen mehr zahlen
Die US-Preispolitik könnte die Schweiz jährlich Hunderte Millionen Franken kosten, zeigt eine Studie von ETH und Universität Zürich. Die Pharmabranche fordert Anpassungen, der Bund wehrt sich gegen generell höhere Preise. Für Novartis und Roche geht es um viel.
Die USA wollen bei Medikamenten die Preise der günstigsten vergleichbaren Länder erhalten, das Prinzip heisst «Most Favored Nation», also Meistbegünstigung. Die Schweiz gehört zu den Ländern, an denen sich Washington misst. Eine neue Studie der ETH und der Universität Zürich, über die SRF am 2. November berichtet, rechnet nun die Folgen durch: Erhöhen die Schweiz und andere Länder ihre Preise, könnten die Prämienzahlenden hierzulande jährlich Hunderte Millionen Franken zusätzlich tragen. Eine genauere Summe nennt der Bericht nicht.
Warnung vor einem Überbietungswettlauf
Mitautorin Kerstin Vokinger, Juristin und Medizinerin, sieht laut SRF die Gefahr, dass sich die Länder gegenseitig überbieten, und empfiehlt gemeinsame Lösungen mit anderen Staaten. In einem extremen Preiskampf würden die US-Preise gemäss der Studie nicht sinken, jene in den anderen Ländern aber steigen. Profitieren würde vor allem die Pharmaindustrie.
Die Studie hat allerdings eine Schwäche: Sie beruht auf dem Stand vom Dezember 2025. Die US-Modelle Globe und Guard betreffen inzwischen weniger Medikamente als angenommen. Dafür gibt es mehr geheime Verträge zwischen Pharmafirmen und der US-Regierung. Die Pharmalobby wehrt sich zudem vor Gericht gegen eines der Modelle.
Wie unsicher die Wirkung ist, zeigt auch eine separate Arbeit im Fachblatt The Lancet vom September, an der Vokinger beteiligt war. Sie untersuchte 195 Medikamente mit jährlichen Medicare-Ausgaben von 87,9 Mrd. Dollar (CHF 72 Mrd.). Laut den Forschern haben Firmen wie Novartis und Roche vertrauliche Abkommen mit der Regierung geschlossen. Solche Abkommen dürften die möglichen Einsparungen um fast 80 % schmälern.
Branche und Bund uneins
René Buholzer, Geschäftsführer des Branchenverbands Interpharma, argumentiert, die Schweizer Preise müssten sich wegen des US-Marktes anpassen, sonst gebe es hier weniger innovative Medikamente. Eine von Interpharma bestellte Studie von BAK Economics zählte, dass von Januar 2025 bis Juni 2026 sieben von 22 neuen innovativen Mitteln nicht für die Spezialitätenliste eingereicht wurden. Das Bundesamt für Gesundheit hält dagegen, es erhalte etwa gleich viele Anträge wie im Vorjahr. Generell höhere Preise lehnt es ab, weil unklar sei, ob die US-Modelle langfristig Bestand haben.
Für den Standort steht einiges auf dem Spiel: 2025 gingen laut BAK 29,3 % der Schweizer Pharmaexporte in die USA. Im schärfsten untersuchten Szenario beziffert die von der Branche bestellte Studie den kumulierten Verlust an Wertschöpfung bis 2040 auf 194,5 Mrd. Franken, in milderen Szenarien auf 27 bis 77,7 Mrd. Franken.
Quellen
- Medikamentenpreise: US-Preispolitik setzt die Schweiz unter Druck (02.11.2026) – SRF
- The Lancet: New US Medicare pricing policies could reshape global pharmaceutical markets (13.09.2026) – EurekAlert / The Lancet
- US-Zollpolitik: Studie warnt vor Milliardenverlusten für Pharma (27.08.2026) – Moneycab
- Switzerland and U.S. Most-Favored-Nation (MFN) Drug Pricing (15.06.2026) – Bär & Karrer
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.