Bundesbank-Chef Nagel: EZB-Zinserhöhung im Dezember ist «sehr wahrscheinlich»
Joachim Nagel hat am Dienstagabend die Tür für den nächsten Zinsschritt weit aufgestossen. Der Bundesbank-Präsident erwartet mehr Inflationsdruck als die EZB noch im September. An den Märkten liegt die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung am 17. Dezember bei 69 %.
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sprach am Dienstag, 3. November, am Hauptstadtempfang der Bundesbank in Berlin. Aus heutiger Sicht sei eine Zinserhöhung im Dezember «sehr wahrscheinlich», sagte das Mitglied des EZB-Rats laut Dow Jones. Nach Angaben von dpa-AFX führt kaum ein Weg daran vorbei, sollte sich der Inflationsausblick nicht deutlich verbessern.
Der Rat entscheidet das nächste Mal am 17. Dezember. In diesem Jahr hat die Europäische Zentralbank die Leitzinsen bereits zweimal angehoben. An der Sitzung der Vorwoche liess sie den Einlagensatz, also den Zins auf Bankguthaben bei der Notenbank, bei 2,5 %.
Nagel sieht den Euroraum nahe am Negativszenario
Die Teuerung im Euroraum lag im September bei 3,8 %, dem höchsten Wert seit drei Jahren. Das Ziel der EZB liegt mittelfristig bei 2,0 %. Treiber sind vor allem die Energiepreise infolge des Iran-Kriegs. Ohne Energie und andere schwankende Posten lag die Kernteuerung bei 2,5 %.
Nagels Begründung geht über die aktuelle Zahl hinaus. Das Basisszenario der EZB-Prognose vom September enthielt bereits eine weitere Zinserhöhung. Nun nähere man sich dem ungünstigen Szenario dieser Prognose, sagte er. Es sei sehr wahrscheinlich, dass der Inflationsdruck höher ausfalle als im September erwartet.
Weshalb die EZB dann in der Vorwoche nicht gehandelt hat, erklärte Nagel mit den Löhnen. Bisher gebe es nur wenige Anzeichen für Zweitrundeneffekte. Die hohen Energiepreise schlagen sich also noch nicht in höheren Lohnforderungen nieder. Wiederholte Preisschübe könnten dies aber ändern.
Märkte rechnen schon mit dem Schritt
Die Geldmarkt-Terminsätze auf den Tagesgeldsatz ESTR zeigen laut Dow Jones eine Wahrscheinlichkeit von 69 % für eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte am 17. Dezember. Bis Juni ist ein weiterer Schritt in gleicher Grösse eingepreist. Neue Hinweise liefert die Schnellschätzung zur Teuerung im Oktober, die für den 4. November angesetzt ist. Für die Kernrate liegt der Konsens laut Trading Economics bei 2,5 %.
Für die Schweiz ist die Ausgangslage eine andere. Die Schweizerische Nationalbank hat den Leitzins am 24. September bei 0 % belassen. Die Teuerung stieg im Oktober zwar auf 1,5 %, die Kerninflation blieb aber bei 0,5 %. Der Euro kostet derzeit rund 0,92 Franken.
Quellen
- Nagel: EZB-Zinserhöhung im Dezember sehr wahrscheinlich notwendig (03.11.2026) – finanzen.net / Dow Jones
- Bundesbank-Präsident Nagel hält eine Zinserhöhung im Dezember für wahrscheinlich (03.11.2026) – finanzen.net / dpa-AFX
- EZB-Kurs: Nagel: Zinserhöhung im Dezember wahrscheinlich (03.11.2026) – Handelsblatt
- Euro Area Core Inflation Rate (03.11.2026) – Trading Economics
- Schweizer Inflation steigt auf 1,5 Prozent - Franken zieht an (03.11.2026) – cash.ch
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.