Geldpolitik

SNB-Präsident Schlegel: Teuerung bleibt vorerst auf Energie begrenzt, Zinsschritt aber nicht ausgeschlossen

5. November 2026, 16:26 Uhr · 2 Min. Lesezeit · Redaktion TVinvestment

Martin Schlegel sieht trotz der Teuerung von 1,5 % keine deutliche Ausweitung des Preisdrucks. Die Nationalbank wurde vom Anstieg aber überrascht und will die Daten bis zum Entscheid im Dezember prüfen. Bei Gefahr für die Preisstabilität würde sie nicht zögern.

Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank äusserte sich am 5. November gleich zweimal zur Teuerung: an einer Veranstaltung in Zürich und in einem Interview mit der «Handelszeitung». Die Inflation lag im Oktober bei 1,5 %, dem höchsten Stand seit fast drei Jahren und über den Erwartungen der SNB. Treiber waren vor allem Benzin, Diesel und Heizöl, die wegen des Konflikts im Nahen Osten teurer wurden.

An der Veranstaltung sagte Schlegel laut Reuters, generell sehe man im Moment keine deutliche Ausweitung des Preisdrucks. Der Anstieg sei rasch erfolgt, beschränke sich aber weitgehend auf Treibstoffe und Energie. Die Teuerung liegt weiterhin im Zielband der SNB von 0 bis 2 %. Die Notenbank wolle die Daten vor dem geldpolitischen Entscheid im Dezember prüfen und verfüge über die nötigen Instrumente.

Warnung vor Zweitrundeneffekten

Im Interview schlug Schlegel einen etwas wachsameren Ton an. Wesentliche Zweitrundeneffekte, also höhere Energiekosten, die in Löhne und andere Preise übergehen, gebe es bisher nicht. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass solche künftig auftreten. «Sollte die Preisstabilität gefährdet sein, würde die Nationalbank nicht zögern, die Geldpolitik anzupassen», sagte er der Zeitung. Der Leitzins liegt bei 0 %, dem tiefsten Niveau aller grösseren Währungsräume.

Die Aussagen fallen in eine Phase, in der über das Ende der Nullzinsen gestritten wird. Die UBS rechnet mit Erhöhungen im März und Juni 2027, die Marktpreise sahen den ersten Schritt zuletzt erst im Juni. Raiffeisen und BAK Economics halten sogar den Dezember für möglich. Auf einen Zeitpunkt legte sich Schlegel nicht fest.

Sorge um Europas Schulden

Zur Konjunktur äusserte sich der SNB-Präsident zuversichtlich. Es gebe erste Anzeichen, dass sich das positive Wachstum fortsetze, sagte er laut Keystone-SDA. Das zweite Quartal habe positiv überrascht, und zwar auch ohne die Sonderfaktoren aus Pharma und Chemie. Sorgen bereiten ihm dagegen die politische Instabilität und die steigende Staatsverschuldung in Europa, dem wichtigsten Handelspartner der Schweiz. Eine nachhaltige Fiskalpolitik sei enorm wichtig. Die Schweiz stehe im Vergleich gut da, auch dank der Schuldenbremse. Zu Vorschlägen für Sonderfonds äusserte er sich nicht, das sei Sache von Regierung und Parlament.

Der Franken notierte am Nachmittag bei rund 91,5 Rappen je Euro und rund 81,5 Rappen je Dollar.

Quellen

  1. SNB-Präsident: Schlegel sieht trotz höherer Inflation keinen breiten Preisdruck (05.11.2026) – cash.ch / Reuters
  2. SNB-Präsident Schlegel: «Sollte die Preisstabilität gefährdet sein, würde die Nationalbank nicht zögern, die Geldpolitik anzupassen» (05.11.2026) – cash.ch / Reuters
  3. SNB-Präsident Schlegel sieht Schweizer Wirtschaft auf gutem Weg (05.11.2026) – Nau / Keystone-SDA
  4. SNB-Chef sieht trotz höherer Inflation keinen breiten Preisdruck (05.11.2026) – onvista / Reuters
  5. UBS-Ökonomen sehen baldige SNB-Zinserhöhung (04.11.2026) – cash.ch

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.