Türkische Fondskrise: Steuerfahnder Muhsin Atcı übernimmt die Kapitalmarktaufsicht SPK
Gut sechs Wochen nach dem Zusammenbruch von 131 Investmentfonds bekommt die türkische Kapitalmarktaufsicht einen neuen Chef. Muhsin Atcı leitete bisher den Steuerprüfungsrat. Er soll das Vertrauen von rund einer halben Million geschädigter Anleger zurückgewinnen.
Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat Muhsin Atcı zum Präsidenten der Kapitalmarktaufsicht SPK ernannt. Die Ernennung erschien im Amtsblatt, laut der Zeitung Sözcü tritt Atcı sein Amt am 1. November an. Der 1979 geborene Beamte stammt aus der Steuerverwaltung. Er hat an der Duke University in den USA einen Master in Entwicklungspolitik erworben und leitete seit Oktober 2023 den Steuerprüfungsrat. Zum Vizepräsidenten der SPK wurde Ersin Başar Ekmeci bestimmt.
Vorgänger trat mitten in der Krise ab
Der bisherige SPK-Chef Mahmut Sütcü war am 19. Oktober zurückgetreten, offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Am selben Tag beantragte laut dem Portal Yetkin Report auch der stellvertretende Finanzminister Osman Çelik seine Pensionierung. Sein Schwiegersohn sitzt im Zusammenhang mit der Krise in Untersuchungshaft. Gegen einen früheren SPK-Präsidenten hat die Staatsanwaltschaft Istanbul eine Ermittlungserlaubnis beantragt.
Die Krise begann Anfang September. Die SPK verbot Fonds damals, ihr ganzes Vermögen in eine einzige Aktie zu stecken. Viele Fonds sassen jedoch auf grossen Positionen in wenig gehandelten Titeln. Als sie verkaufen mussten, verlangten Anleger massenhaft ihr Geld zurück, und mehrere Gesellschaften konnten nicht mehr zahlen. Mitte September ordnete die Aufsicht die Liquidation von 131 Fonds aus sieben Gesellschaften an. Die Angaben zum verwalteten Vermögen liegen je nach Quelle zwischen 17 und 20 Mrd. Dollar (CHF 14 bis 16,5 Mrd.).
Ermittlungen wegen Kursmanipulation
Im Zentrum stehen mutmassliche Kursmanipulationen bei kleinen, illiquiden Aktien. Bis Anfang Oktober nahmen die Behörden 65 Personen fest, darunter führende Finanzmanager und einen früheren Vizegouverneur der Zentralbank. Die Fonds stehen laut Hürriyet Daily News im Verdacht, Ponzi-artige Systeme betrieben zu haben. Gegen mehrere Beteiligte wurden Reisesperren verhängt und Vermögen eingefroren. Die frühere Familienministerin Fatma Betül Sayan Kaya trat als Vizechefin der Regierungspartei AKP zurück, nachdem ihr Aktiengeschäfte vor dem Ausbruch der Krise vorgeworfen worden waren.
Geschädigte Anleger der Gesellschaften Tera, Pusula, Atlas und Hedef erhalten Zwischenzahlungen: Beträge unter 1 Mio. Lira (CHF 16 500) werden voll ausgezahlt, grössere Guthaben vorerst bis zu dieser Grenze. Ein Koordinationsrat unter Vizepräsident Cevdet Yılmaz arbeitet an einer Revision des Kapitalmarktgesetzes. Finanzminister Mehmet Şimşek betonte, es handle sich nicht um ein systemisches Problem. Man werde die Kapitalmärkte weiter vertiefen, sagte er an einer Konferenz von S&P Global.
Quellen
- SPK Başkanılığı'na Muhsin Atcı getirildi (01.11.2026) – Sözcü
- Fon krizi: Bakan yardımcısı ve SPK başkanı gitti, soruşturma hâlâ yok (19.10.2026) – Yetkin Report
- Türkiye moves to finalize capital markets law changes after fund turmoil (02.10.2026) – Daily Sabah
- Erdoğan meets with economic team amid turmoil in fund market (29.09.2026) – Hürriyet Daily News
- Turkey ex-minister quits as investment fund crisis grows (27.09.2026) – Kuwait Times / AFP
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.