Ramschanleihen-Markt spaltet sich: Schwächste Schuldner zahlen so viel Aufschlag wie seit Jahren nicht
Am Markt für Hochzinsanleihen öffnet sich eine Schere. Firmen mit solider Bonität finanzieren sich weiter günstig, die schwächsten Schuldner müssen dagegen Rekordaufschläge zahlen. In Europa ist der Abstand so gross wie seit 2009 nicht mehr.
Hochzinsanleihen, auch Ramsch- oder Junkbonds genannt, sind Obligationen von Firmen mit tiefer Bonitätsnote. Sie bieten mehr Zins, weil das Ausfallrisiko höher ist. Dieser Markt ist im Herbst unter Druck geraten, aber sehr ungleich. Laut einer Bloomberg-Auswertung ist der Renditeunterschied zwischen den stärksten und den schwächsten europäischen Hochzinsanleihen so gross wie seit 2009 nicht mehr. Chris Ellis von BNP Paribas Asset Management sprach bei einigen Papieren sinngemäss von Panikstimmung.
In den USA leidet vor allem die Stufe CCC
In den USA zeigen die Indizes von ICE BofA ein ähnliches Bild. Der Risikoaufschlag der schwächsten Bonitätsstufe CCC gegenüber Staatsanleihen stieg vom 28. August bis zum 23. Oktober von 10,26 auf 13,56 Prozentpunkte. Das war der höchste Wert seit Beginn der täglichen Datenreihe im Oktober 2023 und mehr als beim Zollschock im April 2025. Am 27. Oktober lag der Aufschlag bei 13,21 Prozentpunkten, die Rendite dieser Papiere bei 17,86 %. Der Gesamtindex der US-Hochzinsanleihen stand dagegen nur bei 3,18 Prozentpunkten, die bessere Stufe BB bei 1,87 Prozentpunkten.
Der Analyst Michael Gayed schliesst daraus, dass der Markt nicht allgemein Risiko abbaut, sondern prüft, wer seine Schulden noch refinanzieren kann. Die zehnjährige US-Rendite lag am 26. Oktober bei 5,00 %. Für schwache Firmen mit vielen bald fälligen Anleihen wird die Anschlussfinanzierung damit teuer.
Telekom, Immobilien und KI-nahe Firmen gemieden
In Europa meiden Anleger laut Bloomberg vor allem Schuldner aus Telekom, Immobilien und KI-nahen Branchen sowie hoch verschuldete französische Firmen. Die Anleihen von Virgin Media fielen deutlich. Die deutsche Immobilienfirma Net Zero Properties zog im September eine Emission über 500 Mio. Euro (CHF 461 Mio.) zurück, der französische Netzdienstleister Circet verschob eine Refinanzierung von rund 3 Mrd. Euro (CHF 2,8 Mrd.). Gefragt bleiben dagegen solide Adressen. Die Finanzierung von knapp 5 Mrd. Pfund (CHF 5,5 Mrd.) für die Übernahme von Intertek durch EQT fand zu engen Aufschlägen Käufer.
Nachu Chockalingam von Federated Hermes sagte gegenüber Bloomberg, die Lücke zwischen soliden und schwachen Emittenten sei viel grösser geworden. Auch die auf Hochzinspapiere spezialisierten Fonds Arini und Sona erleben ein schwieriges Jahr.
Quellen
- Junk Bonds Split in Two. CCC Spreads Are Wider Than April 2025. (29.10.2026) – The Lead-Lag Report
- European Junk Bond Split Widest Since 2009 (29.10.2026) – Briefs (nach Bloomberg)
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.