Hongkongs Börsengänge verlieren an Schwung: Vier Firmen ziehen ab, das Rekordjahr bleibt in Reichweite
Nach einem Rekord in den ersten neun Monaten stocken in Hongkong die Börsengänge. Seit Juli haben vier Firmen ihren Gang aufs Parkett kurz vor dem Start abgesagt. Berater halten einen Jahresrekord trotzdem für möglich.
Hongkong erlebt 2026 das stärkste Börsenjahr seiner Geschichte, doch im vierten Quartal hat sich die Stimmung abgekühlt. Bis Ende September brachten 116 Börsengänge mehr als 388 Mrd. Hongkong-Dollar (CHF 40,8 Mrd.) ein, gut doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Das zeigt eine Auswertung des Beratungsunternehmens KPMG China. Treiber waren vor allem Festlandkonzerne, die zusätzlich zu ihren A-Aktien in Shanghai oder Shenzhen H-Aktien in Hongkong ausgeben, sowie Technologiefirmen.
Absagen nach der Zeichnungsfrist
Seit Juli haben vier Unternehmen ihren Börsengang verschoben oder abgebrochen, obwohl die öffentliche Zeichnung bereits abgeschlossen war. Das berichtete die South China Morning Post am 27. Oktober. Zuletzt sagte der Robotikhersteller Changzhou Microintelligence seine Kotierung ab, die für den 28. Oktober geplant war und 800 Mio. Hongkong-Dollar (CHF 84 Mio.) bringen sollte. Als Grund nannte die Firma unter anderem das Marktumfeld. Betroffen sind ausserdem Jiangsu Slender West Lake Culture and Tourism, EKH Limited und Shenzhen Forms Syntron Information. Zusammen wollten die vier bis zu 2,1 Mrd. Hongkong-Dollar (CHF 221 Mio.) aufnehmen.
Alvin Cheung von Prudential Brokerage sagte laut dem Bericht, die Anfragen von Privatanlegern seien in zwei Monaten um rund die Hälfte gesunken. Die wiederholten Absagen hätten deren Interesse stark beschädigt. Institutionelle Investoren akzeptierten keine ambitionierten Preise mehr. Auch die Erstnotierungen enttäuschen teilweise: Suzhou Dongshan Precision Manufacturing fiel am 28. Oktober zum Start um 0,75 %, obwohl die Aktien mit über 30 % Abschlag zum Festlandtitel angeboten wurden. Der Privatanleger-Teil war laut dem Wirtschaftsmagazin Caixin nur zu 52 % gezeichnet.
Volle Pipeline, vorsichtige Käufer
Am Angebot mangelt es nicht. KPMG zählt mehr als 600 aktive Kandidaten, Ende September prüfte die Börsenbetreiberin Hong Kong Exchanges and Clearing 577 Gesuche für das Hauptsegment, wie Nikkei Asia berichtete. Caixin warnt, dass das wachsende Angebot an neuen Aktien auf Kapitalabflüsse trifft. Zudem laufen Ende 2026 und Anfang 2027 bei vielen Neulingen die Haltefristen für bisherige Aktionäre aus, wodurch zusätzliche Titel auf den Markt kommen können.
Für das Gesamtjahr bleiben die Prognosen hoch. Deloitte rechnet mit rund 160 Börsengängen und mindestens 480 Mrd. Hongkong-Dollar (CHF 50,5 Mrd.), KPMG mit bis zu 500 Mrd. Hongkong-Dollar (CHF 52,6 Mrd.). Beides wäre ein Rekord. Cheung erwartet allerdings einen ruhigen November und eine Erholung eher im Dezember.
Quellen
- China and Hong Kong IPO Markets: 2026 Q3 Review (06.10.2026) – KPMG China
- Hong Kong IPO Market Tests Investor Caution as Fourth Listing Pulled (27.10.2026) – IndexBox / South China Morning Post
- Hong Kong IPO Market Struggles as Fourth Listing Shelved in 2026 (27.10.2026) – KuCoin News / South China Morning Post
- Hong Kong IPOs Face Liquidity Test as Share Supply Surges (29.10.2026) – Caixin Global
- Hong Kong IPOs on track for record 2026 despite slowing momentum (24.10.2026) – KrASIA / Nikkei Asia
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.