Schweiz

Klinische Studien: Pharma will eine nationale Ethikkommission, Swissethics warnt vor dem Systemwechsel

7. November 2026, 19:25 Uhr · 2 Min. Lesezeit · Redaktion TVinvestment

Die Zahl klinischer Studien in der Schweiz sinkt seit Jahren. Die Pharmaverbände wollen die Verfahren beschleunigen und die sieben regionalen Ethikkommissionen durch eine nationale ersetzen. Der Dachverband Swissethics hält davon wenig.

Ein neues Medikament braucht vom Labor bis zur Zulassung heute bis zu zwölf Jahre. Am teuersten sind die letzten Studienphasen, in denen das Mittel an grossen Patientengruppen erprobt wird. Jeder zusätzliche Tag kostet die Hersteller Geld. Wie SRF am 7. November berichtete, setzen sich die Verbände Interpharma und Vips deshalb für schnellere, digitalere und weniger zersplitterte Abläufe ein. Anlass ist die Revision des Humanforschungsgesetzes, deren Vernehmlassung im kommenden Jahr beginnt.

Die Schweiz verliert Studien an die Konkurrenz

Interpharma hatte bereits am 24. September Zahlen vorgelegt. Demnach sank die Zahl der klinischen Studien in der Schweiz von 185 im Jahr 2014 auf 137 im Jahr 2024, ein Rückgang um gut einen Viertel. Zulegen konnten laut dem Verband unter anderem Spanien, Grossbritannien, Deutschland, Belgien, Dänemark und Österreich. Bei komplexen neuen Therapien sehen die Verbände die Schweiz laut SRF zudem gegenüber China im Hintertreffen.

Als Gründe nennt Interpharma lange und nicht harmonisierte Bewilligungsverfahren, enge Grenzen bei der Nutzung von Gesundheitsdaten und eine im internationalen Vergleich geringe öffentliche Förderung der klinischen Krebsforschung. Für Betroffene geht es um viel: In der Onkologie seien Studien oft die letzte Hoffnung, wenn keine bestehende Therapie mehr wirke, sagte Claudia Tamásy, Geschäftsleiterin der Patientendachorganisation Swisscapa, gegenüber SRF.

Swissethics: Ein Wechsel brächte nur Nachteile

Der Dachverband der Ethikkommissionen lehnt eine nationale Kommission ab. Das heutige System sei auf die grosse Zahl von rund 4000 Studien pro Jahr ausgerichtet, für jedes Projekt sei jeweils nur eine Leitkommission zuständig. Ein Systemwechsel wäre «nur mit Nachteilen verbunden», sagte Swissethics-Präsident Giovan Maria Zanini gegenüber SRF, weil Harmonisierung und Koordination von vorn beginnen müssten. Effizienzpotenzial sieht er trotzdem: Ethikkommissionen und die Zulassungsbehörde Swissmedic könnten parallel statt nacheinander prüfen.

Wie gross die Arbeitslast ist, zeigt das Beispiel Zürich. Bei der Kantonalen Ethikkommission gingen 2025 laut ihrem Kurzbericht 889 Gesuche ein, nach 878 im Vorjahr. Die vorgegebenen Bearbeitungsfristen hätten deshalb oft nicht eingehalten werden können.

Was die Branche fordert

Interpharma verlangt neben der nationalen Ethikkommission national koordinierte Bewilligungen, beschleunigte Verfahren und eine effizientere Suche nach Studienteilnehmern. Dazu kommt ein nationaler Gesundheitsdatenraum. Im Parlament sind mehrere Vorstösse hängig, etwa für ein einheitliches Einreicheportal für Forschungsprojekte und für Anreize, klinische Studien in der Schweiz durchzuführen.

Quellen

  1. Klinische Studien: Hoffnung, Milliardenkosten und Reformdruck (07.11.2026) – SRF
  2. Klinische Forschung unter Druck: Die Schweiz verliert den Anschluss (24.09.2026) – Interpharma / pressetext
  3. Kurzbericht 2025 der Kantonalen Ethikkommission Zürich (2026) – Kanton Zürich

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.