Kaviar statt Billigtarif: Lufthansa und Air France setzen auf die zahlungskräftigsten Passagiere
Europas grosse Fluggesellschaften bauen ihre First und Business Class aus. Teures Kerosin und eine schwache Nachfrage im Billigsegment treiben die Strategie. Analysten warnen vor dem Risiko, falls die Konjunktur kippt.
Die Fluggesellschaften investieren Milliarden in Kabinen, Lounges und Bordservice für zahlungskräftige Kunden. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters in einem Beitrag, den cash.ch am 1. November veröffentlichte. Hintergrund sind die wegen des Iran-Kriegs gestiegenen Treibstoffkosten und eine schwächere Nachfrage im unteren Preissegment. Zugleich habe der Boom bei Technologie und künstlicher Intelligenz eine neue Gruppe sehr reicher Reisender geschaffen.
Lufthansa profitiert besonders
Die Lufthansa, zu der auch die Swiss gehört, hat laut Reuters mehr als 2,5 Mrd. Euro (CHF 2,3 Mrd.) in neue Kabinen und eine luxuriöse First Class gesteckt. Mehr als die Hälfte des Umsatzes auf der Langstrecke stammt inzwischen aus den Premiumklassen. In den drei Premiumklassen wuchs der Umsatz um 6,7 %, in der Economy nur um 1,6 %. Konzernchef Carsten Spohr sagte, der Premium-Boom helfe der Lufthansa relativ mehr als vielen Konkurrenten.
Das Umfeld bleibt allerdings schwierig. Im zweiten Quartal fiel das bereinigte operative Ergebnis um 56 % auf 383 Mio. Euro (CHF 353 Mio.), wie der Hessische Rundfunk im August berichtete. Kerosin kostete rund 750 Mio. Euro (CHF 691 Mio.) mehr als geplant. Für 2026 erwartet der Konzern einen bereinigten Betriebsgewinn von 1,7 bis 2,2 Mrd. Euro (CHF 1,6 bis 2,0 Mrd.). Spohr kündigte damals höhere Ticketpreise an, weil die Reisenden weniger preisempfindlich seien als gedacht.
Air France mit Privatjet-Gefühl
Air France plant laut Reuters Investitionen von 1 Mrd. Euro (CHF 921 Mio.) in Kabinen, Lounges und WLAN an Bord. Die First Class «La Première» bietet einen eigenen Flughafeneingang und eine Fahrt im Auto bis zum Flugzeug. Ein Hin- und Rückflug Paris–New York kostet ab 14 000 Dollar (CHF 11 500). Bei Air France-KLM stieg der Umsatz pro Einheit im zweiten Quartal dank der Strategie um 8,7 %.
Analysten sehen auch Risiken. Reiche Reisende könnten bei einer Konjunkturschwäche sparen. Grössere Sitze bedeuten zudem weniger Plätze im Flugzeug. Der Luftfahrtanalyst John Strickland warnt, dass sich die hohen Investitionen bei geringerer Kapazität kaum rückgängig machen liessen, falls die Strategie scheitert.
Quellen
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen recherchiert und in eigenen Worten verfasst. Er dient der Information und ist keine Anlageberatung.